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Das schöne neudeutsche Wort “Geotagging” vereint zwei Worte, die zur Zeit (März 2007) ganz allgemein recht verbreitet Verwendung finden. “Tagging” ist eines der momanten grossen Schlagworte bei YouTube, Flickr und überall sonst in der Welt der Blogger. Im Grunde genommen bedeutet is nur, dass etwas mit einem Etikett, Anhänger, Schild, Stichwort etc. versehen und so markiert wird. Das ganze Internet ist voll von “Tags” und “tagging”. Das Kürzel “Geo” ist auch recht aktuell, wo doch die Massen die Erde dank Google-Maps und Google-Earth und der Verbreitung von GPS neu entdecken.
“Geotagging”, momentan meist in Verbindung mit Fotos verwendet, meint einfach nur: Dem Foto die Position an dem es aufgenommen wurde zuzuordnen.
Es gibt sogar ein deutsches Wort dafür, dass aber anscheinend nicht annähernd so “cool” ist und deswegen selten gebraucht wird: Verortung

Wozu das Ganze?

Zum einen ist es ganz nett, auch später noch sagen zu können, wo ein einzelnes Bild aufgenommen wurde, zum anderen eröffnet das die Möglichkeit, in Google-Maps, Google-Earth und anderen Diensten die Bilder an der Stelle anzeigen zu lassen, wo sie auch aufgenommen wurden. Ob der Aufwand gerechtfertigt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich gehe davon aus, dass in einigen Jahren die meisten Digitalkameras mit einem GPS-Empfänger ausgestattet sein werden und ganz selbsttätig die Position zusammen mit dem Foto abspeichern. Auch wird dann jeder Bildbetrachter, der etwas auf sich hält zusätzliche Funktionen zur Verfügung stellen um das Bild in seinem “Geo-Kontext” angezeigt zu bekommen. So wie heute viele Bildbetrachter eine Art Kalender-Funktion für das Sortieren der Bilder zur Verfügung stellen.
Ansicht eines aufgezeichneten Tracks mit Bildern in Google-Earth
Luftbild: © Google Earth/Flotron Jermann
Ansicht eines aufgezeichneten Tracks mit Bildern in Google-Earth

Was braucht man?

Kurz: Einen GPS-Empfänger und eine Kamera und passende Software.
Einige wenige Kameras haben bereits jetzt einen GPS-Empfänger integriert, aber das ist die Ausnahme. Alle Digitalkameras speichern jedoch die Aufnahmezeit in die EXIF- oder IPTC-Daten der JPEG-Bilder mit ab. Das ist eine wichtige Voraussetzung und auch schon eine der grossen Hürden bzw. Fehlerquellen wie wir später noch sehen werden.

Die Bilder

Für kompakte Digitalkameras sind die Hürden nicht sehr hoch. Diese Kameras speichern alle JPEG-Files mit EXIF-Daten ab. Jede Software zum Kombinieren von GPS-Daten und Bildern unterstützt JPG-Dateien. Hat man andere Bildformate, wird es schwieriger, speziell für die vielen RAW-Formate der digitalen Spiegelreflexkameras habe ich bisher (April 2007) noch keine Software gefunden, die die GPS-Daten eintragen kann.
Ganz wichtig ist, dass die Uhrzeit der Digitalkamera sehr genau stimmt. Je nach verwendetem Programm führen Ungenauigkeiten dazu, dass die Position des Bildes nicht stimmt oder das Bild garnicht zu einer Position zugeordnet werden kann. Es empfiehlt sich also die Zeit der Kamera möglichst sekundengenau korrekt einzustellen. Wenn man das GPS-Gerät als Uhr beim Stellen der Zeit der Kamera verwenden kann, umso besser.
Die Wahl der richtigen Zeitzone sowohl beim GPS-Gerät als auch bei der Kamera ist ebenfalls zu beachten. Hat man hier “Mist gebaut”, ist die Zeitverschiebung aber konstant und man kann diese bei vielen Programmen angeben und somit das Problem korrigieren. Reist man beispielsweise im Urlaub durch mehrere Zeitzonen bietet es sich vielleicht sogar an, GPS und Kamera auf UTC-Zeit laufen zu lassen. Das führt dann eventuell zu seltsamen Aufnahmezeiten der Bilder, man hat aber keine Problem mit dem Umstellen.
Interessanterweise ergeben sich mitunter die grössten Probleme beim Kombinieren der Daten aus GPS und Kamera bei vielen Programmen daraus, dass die Zeitzoneneinstellung von den Programmen falsch interpretiert wird. Das hängt eventuell auch mit den unterschiedlichen Varianten zusammen, die die Hersteller von GPS und Kameras verwenden, um die Zeiten in den Dateien zu schreiben. Hat man einen GPS-Empfänger mit Display kann es hilfreich sein, ein Fotos der Anzeige mit der Uhrzeit zu machen. So kann man leicht die Zeitdifferenz zwischen Kamera (Aufnahmedatum) und GPS herausfinden.

Die GPS-Daten

Was man braucht sind Positionen mit Zeiten. Das können nun entweder markierte Wegpunkte sein, oder aufgezeichnete “Tracks”. Welches Format die Daten haben müssen hängt von der verwendeten Software zum Kombinieren ab, fast alle Programme unterstützen aber das GPX-Format, das mittlerweile einen Quasi-Standard für GPS-Daten darstellt. Manche Software kann auch NMEA-Daten verarbeiten oder sogar die Daten direkt aus dem GPS-Gerät auslesen.
Zum Umwandeln von allen möglichen GPS-Datenformaten in alle möglichen anderen Datenformate empfiehlt sich das Tool GPSbabel. Das Tool ist mehrsprachig und dank der vielen Optionen nicht ganz intuitiv zu bedienen, löst aber nahezu alle GPS-Konvertierungsfragen. Zu finden ist es hier (englisch). Der, nicht ganz leicht zu findende Download der Version 1.3.3 ist hier. Näher möchte ich auf diese Software hier nicht eingehen.

GPS-Empfänger

An dieser Stelle noch einige Anmerkungen zum GPS-Empfänger und den aufgezeichenten Daten. Garmin-Empfänger wie der GPSmap60CS zeichnen (wenn die Funktion aktiviert ist) den aktiven Track so auf, dass die Position und Uhrzeit der Position verfügbar sind. Dies gilt aber nur für den “ACTIVELOG”. Sobald man den Track speichert (das Gerät erlaubt es bis zu 20 Tracks zu speichern), gehen die Zeitinformationen verloren und der Track kann nicht mehr zum geotaggen verwendet werden.
Sportlergeräte von Garmin wie der Edge oder der Forerunner speichern in den Trackdaten auch die Zeiten mit ab. Der Export als GPX-File sollte auch mit der dort vorhandenen Software möglich sein.
GPS-Datenlogger i-blue 747
GPS-Datenlogger i-blue 747
Ebenfalls gut geeignet zum Geotagging sind GPS-Logger. Meist sind es GPS-Bluetooth-Mäuse mit Loggerfunktion. Reine Bluetooth-GPS-Geräte gibt es ja bereits seit geraumer Zeit und der Markt ist schier unüberschaubar. Geräte mit Speicher die auch Daten loggen können gibt es noch nicht so viele, es ist aber anzunehmen, dass auch hier die Auswahl stetig wächst. Diese Geräte speichern zumindest die Zeit und den Längen- und Breitengrad in meist einstellbaren Zeit- oder Wegabständen. Manche Logger speichern auch zusätzlich die Höhe oder andere GPS-Daten. Typischerweise wird eine mehr oder weniger komfortable Software mitgeliefert, mit der die Daten vom Gerät gelesen und dann als NMEA oder GPX-Daten gespeichert werden können. Die momentan verfügbaren Geräte speichern zwischen 10 000 und 100 000 Positionen.
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