Kiruna

Impressionen aus dem lappländischen Winter
02.04.2007

Ende Januar 2001 haben wir uns eine Woche in die lappländische Einöde, genauer nach Kiruna zurückgezogen, um neben Ruhe und Erholung auch die Chance auf Nordlicht zu erhalten.
Kiruna ist, wenn man die Fläche betrachtet über die es sich erstreckt, mit 19477 km² die grösste Stadt Europas. Allerdings leben nur etwa 26000 Einwohner dort. Unter der Stadt erstreckt sich über mehrere Kilometer ein Eisenerz-Bergwerk, in dem seit dem späten 19. Jahrhundert hochwertiges Eisenerz abgebaut wird. Der mit bis zu 80 % sehr hohe Eisenanteil ist der Grund, dass sich der Abbau unter den schwierigen Bedingungen nördlich des Polarkreises lohnt.

Anreise

Geplant war ein Direktflug Frankfurt - Kiruna, ein "Winter-Special" der Deutschen Lufthansa. Leider fiel wegen zu geringer Auslastung zunächst der Hinflug aus und wir wurden auf Köln umgebucht. Einen Tag vor der Abreise erfuhren wir dann, dass auch der Rückflug nicht zustande kommt und wir wurden erneut und endgültig umgebucht: auf einen Linienflug mit SAS von Frankfurt über Stockholm nach Kiruna. Das klappte trotz des Zwischenstopps letzten Endes reibungslos.
Der Flughafen von Kiruna liegt ca. 6 km ausserhalb der Stadt. Die einzig verfügbaren Transportmittel in die Stadt sind Taxis. Eine Fahrt kostet 190 schwedische Kronen - umgerechnet sind das knapp 50 DM. Immerhin waren nachts um 11 Uhr nach etwas Warten genügend Taxis für alle Fluggäste der angekommenen Maschine aufzutreiben.

Unterkunft

Kurz vor Mitternacht klappte auch das Einchecken im Hotel noch problemlos. Das Hotel mit dem etwas fantasielosen Namen E10 - benannt nach der Bundesstrasse an der es liegt - ist nicht überteuert, hat ein gutes Frühstücksbüffet und nette, gut geheizte Zimmer. Es liegt etwa 20 Gehminuten vom Zentrum entfernt.

Mittagssonne
Mittagssonne
 Blick aus dem Flugzeug
Blick aus dem Flugzeug
Holzkirche von Kiruna
Holzkirche von Kiruna
Rentierschlitten-Rennen in Kiruna
Rentierschlitten-Rennen in Kiruna
Eisskulpturen im Park von Kiruna
Eisskulpturen im Park von Kiruna
Alte Bohrköpfe im Bergwerk von Kiruna
Alte Bohrköpfe im Bergwerk von Kiruna
Bagger im Bergwerk von Kiruna
Bagger im Bergwerk von Kiruna
Holzkirche in Jukkasjärvi
Holzkirche in Jukkasjärvi
Eingangstür zum Eishotel
Eingangstür zum Eishotel
Säulenhalle im Eishotel
Säulenhalle im Eishotel

Verpflegung

Der Schwede an sich geht nicht auswärts essen - das zumindest haben wir von einem Einheimischen bestätigt bekommen. Da Kiruna auch nicht zu den typischen Tourismusorten gehört, hat es an Lokalen nur eine Pizzeria und einen fast food Grill zu bieten. Man kann aber in den Hotels gut essen gehen, wenn einem der Sinn nicht nach Hamburgern steht (die sollte man allerdings zumindest einmal probiert haben, denn sie übertreffen in Qualität und Quantität jeden Burger der weltweit bekannten fast food Ketten!).

Kiruna - die Stadt

Das Stadtbild von Kiruna wird stark von dem angrenzenden Bergwerksgelände geprägt. Die Hauptsehenswürdigkeit ist eine grosse und sehr schöne Holzkirche im Stadtzentrum.

Das Schnee-Festival

Ende Januar findet in Kiruna das größte schwedische Schnee-Festival statt. Neben einem Schneeskulpturenwettbewerb finden in dieser Zeit sehr unterhaltsame Veranstaltungen statt wie zum Beispiel ein Rentier-Schlitten Rennen. Das Festival erwies sich als Publikumsmagnet. Anders gesagt: Nach dem Ende des Festivals wurde es über Nacht sehr ruhig in der Stadt. Wo sich Tags zuvor noch Hunderte von Menschen drängelten, war man am nächsten morgen fast alleine auf den Strassen.

Das Bergwerk

Das Eisenerz-Bergwerk von Kiruna kann besichtigt werden. Je nach Saison werden mehrmals pro Woche geführte Touren angeboten, die mit einer Busfahrt auf 540 m unter die Erde beginnen. Dort wird man durch stillgelegte Stollen geführt und erfährt bei Kaffee und Keksen alles über den Erzabbau.
Die Grube wird von der LKAB betrieben und beschäftigt über 3200 Leute. 80 % des Ertrags werden nach Europa verkauft. Gegraben wird mittlerweile auf über 1000 m Tiefe.

Jukkasjärvi und das Eishotel

Mit dem Linienbus kann und sollte man einen Ausflug in das etwa 20 km entfernte Jukkasjärvi unternehmen. Neben einer sehr alten Kirche ist dort von September bis April oder Mai das Eishotel und die Eiskapelle zu besichtigen. Wer möchte, kann dort auch eine oder mehrere Nächte übernachten. Empfehlenswert ist allerdings, den Aufenthalt auf nur einen Tag zu begrenzen, denn tagsüber sind alle Zimmer zur Besichtigung geöffnet und müssen sowieso geräumt werden. Die Zimmer sind zum Teil mit viel Fantasie und Liebe zum Detail gestaltet und jedes einzelne eine Besichtigung wert. Ebenfalls nicht entgehen lassen sollte man sich einen Cocktail in der Eisbar. Verschiedene Drinks werden dort in Eisgläsern serviert.

Die Zugfahrt

Eines unserer schönsten Erlebnisse war die Zugfahrt nach Narvik. In einem Panoramawagen mit Glasdach, einst ein Modell der Deutschen Bahn, fährt man sehr gemütlich zunächst durch das verschneite Lappland und schliesslich mit atemberaubender Aussicht an einem norwegischen Fjord entlang.

Sportliche Aktivitäten

Wem die Ruhe zu viel wird, kann sich auf verschiedene Weisen sportlich betätigen. Um Kiruna herum finden sich viele Kilometer gut präparierte Langlaufloipen. Ebenso gängig wie Fahrstrassen für Autos sind beinahe auch extra Spuren für Schneemobile, die man - meist allerdings nur in Verbindung mit einer geführten Tour - mieten kann.
Ferner bietet sich jedem die Möglichkeit, einmal eine Hundeschlitten- oder Rentierschlittentour rund um Kiruna zu machen.
Und zu guter letzt:

"Badezimmer" im Eishotel
"Badezimmer" im Eishotel
"Wikingerbett" im Eishotel
"Wikingerbett" im Eishotel
Eisbar im Eishotel
Eisbar im Eishotel
Cocktails in der Eisbar
Cocktails in der Eisbar
Panoramawagen im Zug nach Narvik
Panoramawagen im Zug nach Narvik
Spaziergang im Schnee
Spaziergang im Schnee
Nordlicht
Nordlicht
Nordlicht
Nordlicht
Nordlicht
Nordlicht
Nordlicht
Nordlicht

Das Nordlicht!

Obwohl wir wirklich sehr auf die Folter gespannt wurden, hat es noch geklappt. In der letzten Nacht vor unserer Abreise haben wir Nordlicht gesehen. Zuerst entdeckt haben wir es am frühen Abend gegen 18.00 Uhr. Dafür fiel dann auch prompt unser Abendessen aus, denn es war einfach nicht möglich, ins Hotel zu gehen, bevor das Nordlicht wieder aufhörte. Diese erste "Welle" dauerte eine gute Stunde, dann war es wie ausgelöscht. Etwa 2 Stunden später fing es wieder an - so plötzlich wie es aufgehört hatte.
Besonders beeindruckend war, mit welcher Geschwindigkeit sich die grünen Schwaden am Himmel bewegten, und mit welcher Vielfalt die Formationen auftraten. Neben senkrechten Vorhängen gab es waagrechte Bänder, mal war der ganze Horizont grün erleuchtet, mal gab es nur eine schmale Kette an der pulsierende Lichtkugeln entlang wanderten. Alles in allem ein atemberaubendes Erlebnis und Grund genug, bald wieder eine Winterwoche in der Nähe des Polarkreises zu verbringen!