Karibik

Segeln in abwechslungsreicher Kulisse
12.05.2013

Bei dieser Reise kamen folgende Reiseführer zum Einsatz:

Seekarten der Leeward-Islands des NV-Verlags. Enthält zusätzlich eine CD für die Kartendarstellung auf dem PC oder Laptop. Ausserdem kann die Karte für die Verwendung in der Karten-App iNavX auf dem iPad freigeschaltet werden.

iNavxiPhone/iPad Seekarten-App. Wer ein iPad und die oben beschriebenen Karten des NV-Verlags hat, kommt mit der App in den Genuss eines Kartenplotters. Nicht notwendig aber an manchen Stellen bei Untiefen ganz nützlich.

"Doyle Cruising Guide to Leeward Islands": Unverzichtbarer Segelführer für die Leeward Islands mit vielen Tipps und wirklich allem, was man Wissen muss. Enthält viele aktuelle Informationen und gute Detailzeichnungen von Ankerbuchten und Häfen.

Imray Cruising Guide "Grenada to the Virgin Islands" Keine Alternative zum Doyle-Reiseführer aber eine nette Ergänzung für alle die einen zweiten Ratgeber wollen.

Bislang haben wir darauf verzichtet, auf dieser Seite über unsere Segeltörns zu berichten. Im Rahmen der Vorbereitungen auf den Karibik Törn habe ich allerdings selbst viel im Internet gesurft und war dankbar über alle Berichte und Tipps die ich finden konnte. Das hat mich dazu bewogen, selbst etwas zu schreiben, das vielleicht von Nutzen sein könnte für Karibik-Neulinge.

Fahrtgebiet, Anreise

Die Wahl unseres Startpunktes fiel hauptsächlich deswegen auf die Insel St. Martin, weil diese von Europa aus gut zu erreichen ist. Das Gebiet rund herum ist weitläufig und vielfältig genug, um zwei spannende Wochen dort zu verbringen. Man kann mit kurzen Schlägen von Bucht zu bucht segeln und den Schwerpunkt des Törns auf Baden und Schnorcheln legen. Rund um St. Martin gibt es mehrere nahe, kleinere Inseln die innerhalb weniger Stunden zu erreichen sind. Man kann aber auch wie wir die etwas anstrengendere Variante wählen, und längere Schläge zu entfernteren Inseln einbauen.

Die Anreise erfolgte mit Air France über Paris. Das Flugzeug landete am frühen Nachmittag auf St. Martin, so dass wir ohne Nacht im Hotel direkt das Schiff übernehmen konnten. Der Rückflug zwei Wochen danach startete am späteren Samstagnachmittag, nachdem wir Vormittags das Schiff zurückgegeben hatten.

Chartern

Vermittelt durch den deutschen 1. Klasse Yachtcharter haben wir eine Sun Odyssey 39i bei Sunsail gechartert. Die Abwicklung auf Deutsch war sehr angenehm, und die Unterstützung durch 1. Klasse Charter liess keine Wünsche offen. Die Sunsail Basis auf St. Martin liegt in Oyster Pond, eine knappe Fahrstunde vom Flughafen entfernt. Den Transfer konnte man bereits bei der Buchung mit bestellen.

Nach der Ankunft am Samstag konnten wir direkt auf das Schiff. Dieses befand sich in gutem Zustand und war insgesamt gut ausgerüstet. Der Sonntagmorgen begann mit einem ausführlichen Chart Briefing, an dem man über Gefahrenstellen im Törngebiet und die Wettervorhersage unterrichtet wurden. Wir erhielten aber auch wertvolle Tipps zu den schönsten Häfen und Buchten, bei welchen Wetterbedingungen diese geeignet sind und zu wechler Zeit am wenigsten überlaufen von Tagestouristen. Da wir die einzige Crew waren die zwei Wochen gechartert hatten und weiter segeln wollten als der Rest, erhielt ich im Nachgang noch ein erweitertes Briefing für entferntere Inseln.

Gemäss Chartervertrag darf man nur bei Tageslicht segeln, genaugenommen eine Stunde nach Sonnenaufgang bis eine Stunde vor Sonnenuntergang. Das lässt einem ein Zeitfenster von nicht viel mehr als 10 Stunden pro Tag. Da wir bis Antigua wollten, habe ich eine Bewilligung für einen Nachtschlag beantragt. Diese wurde problemlos bewilligt, mit einem mehrseitigen Formular als einziger Hürde.

Sunsail erwies sich auch bei Reparaturen als schnell und flexibel: Auf dem Nachtschlag nach Antigua quittierte überraschend das Funkgerät den Dienst. Dieses wurde sofort und anstandslos in der Sunsail Basis in British Harbour ausgetauscht.

Marina in Oyster Pond, St Martin
Marina in Oyster Pond, St Martin
Ankerplatz an der Ile de la Fourche
Ankerplatz an der Ile de la Fourche
Sylvesterabend vor St. Barths
Sylvesterabend vor St. Barths
Sonnenuntergang auf der Nachtfahrt
Sonnenuntergang auf der Nachtfahrt
Schauer kurz vor Sonnenuntergang
Schauer kurz vor Sonnenuntergang

 

Versorgung

Sowohl die Verproviantierung als auch das Bunkern von Wasser unterwegs bedarf etwas Vorausplanung. Generell wird viel geankert und wenig in Häfen festgemacht. Auf manchen der Inseln ist die Infrastruktur eher schlicht, und Einkaufen sowie Menüplanung erfordern Kreativität. Details dazu finden sich weiter unten bei den jeweiligen Inseln.

Wir haben den Grundbedarf an Trinkwasser (ja, natürlich auch an Bier und Wein....) und Nahrungsmitteln am ersten Tag zum Schiff liefern lassen. Die Bestellung konnte man bequem mithilfe einer Excel Liste zu Hause am Computer tätigen. Dieser Service von der Supermarktkette Le Grand Marche ist sehr zu empfehlen und kann hier gefunden werden: http://www.legrandmarche.net/YachtProvisioning.aspx

Mit wenig Landstrom und viel Segeln läuft der Kühlschrank eher selten. Daher lohnt es sich, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Tüten mit Eis zu bunkern, um das Bier und andere Grundnahrungsmittel kühl zu halten.

Wetter, Segelbedingungen

Die Karibik zeichnet sich durch ganzjährige Windsicherheit aus. Das bedeutet selten weniger als Windstärke 3-4. Unsere zwei Wochen nach Weihnachten waren nach Aussage der Charterbasis ungewöhnlich windig. Die ersten Tage starteten mit 4-5, was sich über die gesamte Zeit kontinuierlich steigerte bis auf Windstärke 6, in Böen 7. Erst an den letzten beiden Tagen arrangierte sich der Wind wieder bei 3-4. Angesichts der zum Teil langen Schläge war der starke Wind eher nützlich, man konnte im Schnitt mit 6 Knoten rechnen. Nicht zu unterschätzen ist die Welle die sich aufbauen kann, speziell wenn man gegenan muss. Die Wellenhöhe in den zwei Wochen war selten unter 2, meistens in der Gegend von 3 Meter.

Die Windrichtung in den Wintermonaten ist überwiegend Nord bis Ost. Zum Ankern hält man sich daher überwiegend im Westen bis Süden der Inseln auf. Wind und Welle können aber gelegentlich auf Nordwest drehen. Dies sollte man im Auge behalten, da dann die üblichen Ankerplätze sehr ungemütlich werden können.

Wettervorhersage

Ein beliebtes Thema ist die Frage, woher man einen aktuellen Wetterbericht bekommt. Im Vorfeld hatten wir versucht, einen bezahlbaren Mobilfunk Anbieter zu finden, um möglichst auf allen Inseln über Roaming an Daten zu kommen. Da fast jede Insel eine eigene Nationalität und damit Mobilfunkanbieter hat, haben wir diese Idee sehr schnell verworfen.

In Häfen gibt es WLAN, zum Teil offen, sonst erhält man von der Port Authority das Passwort. Zum Teil kann man dort auch einen gedruckten Wetterbericht für die kommenden Tage bekommen. Ebenfalls Glück kann man in Restaurants mit WLAN haben. Damit hat man alle zwei bis drei Tage die Chance auf Internet, selbst wenn man überwiegend in Buchten ankert. Da Wind und Welle für gewöhnlich sehr konstant sind, und sich Änderungen über einige Tage ankündigen, sind wir damit bestens und ohne Überraschungen über die Runden gekommen.

Unsere Wetterdaten im Internet haben wir über folgende Apps bezogen:

PocketGribWindfinder ist bei Wassersportlern bekannt und beliebt. Die App zeigt für gespeicherte Orte - oder den aktuellen Ort - eine Windvorhersage für die nächsten sechs Tage an. Die Daten sind recht gut und man hat bereits mit der kostenlosen App eine gute Möglichkeit immer und überall (fast) zu einer Windvorhersage zu gelangen.


PocketGrib PocketGrib kann die GRIB-Daten von beliebigen Regionen (Auswählbar über eine Karte) herunterladen und anschliessend auch ohne Internetverbindung darstellen. Die GRIB-Daten enthalten je nach ausgewähltem Vorhersagemodell Daten zu Wind, Druck, Regen, Lufttemperatur, Wellen, Wolken, Luftfeuchte und Strom. Die Daten sind bis 8 Tage in die Zukunft verfügbar. Mit der Kartendarstellung eher etwas für das iPad.


Mythos Ein- und Ausklarieren

Dieser Törn war unsere erste Erfahrung mit grenzübertretendem Segeln (abgesehen von Europa, wo in der Regel Zollformalitäten entfallen). Daher haben wir im Vorfeld viel recherchiert, um den Mythos des Ein- und Ausklarierens zu lüften. Dennoch fühlte ich mich auf dieses Abenteuer schlecht vorbereitet, da mir die gefundenen Informationen eher dürftig erschienen. Nach den ersten paar Versuchen habe ich verstanden, warum: Es gibt einfach nicht viel dazu zu sagen. Ich werde bei der Beschreibung der einzelnen Inseln zum dortigen Vorgehen jeweils etwas schreiben. Generell kann man folgende Tipps geben:

Freundlich und geduldig bleiben, auch wenn die Bürokratie selbst einem Europäer übertrieben erscheinen mag. Die Beamten mit denen ich zu tun hatte waren ausnahmslos höflich, wenn nicht sogar freundlich, hilfsbereit und interessiert.

Die Törnplanung an den nötigen Behördengängen orientieren. Wenn man morgens früh zu einem langen Schlag aufbrechen möchte, sollte man am Abend vorher ausklarieren. Da man in der Regel Customs, Immigration und die Port Authority aufsuchen muss (in der richtigen Reihenfolge...) benötigt man selten unter einer Stunde, mitunter auch mal zwei. Alle Behörden haben Öffnungszeiten und zum Teil Mittagspausen. Die Zeiten sind sehr zuverlässig in der aktuellsten Version des Doyle Crusing Guide verzeichnet.

Einige (leider wenige) Inseln arbeiten mit eSeaClear. Hier kann man bereits zu Hause die Crew Liste hinterlegen und spart sich das Tippen beim ersten Klarieren: https:/www.eseaclear.com/home/index.cfm

Für alle Inseln auf denen das System nicht genutzt wird: Fertigt bereits zu Hause ausreichend Kopien Eurer Crew-Liste an. Ich musste bis zu fünf Kopien bei einmal Einklarieren abliefern.

Zum Ein- und Ausklarieren müsst Ihr alle Reisepässe, die Schiffspapiere und die Bestätigung des jeweils letzten Ausklarierens vorlegen.

British Harbour, Antigua - Nelson's Dockyard
British Harbour, Antigua - Nelson's Dockyard
British Harbour, Marina
British Harbour, Marina
British Harbour, Antigua - Nelson's Dockyard
British Harbour, Antigua - Nelson's Dockyard
Antigua - Ausfahrt aus British Harbour
Antigua - Ausfahrt aus British Harbour
Antigua - Kite Surfer in Nonsuch Bay
Antigua - Kite Surfer in Nonsuch Bay

 

Planung, Literatur

Für die Planung habe ich den Kartensatz Leeward Islands - Anguilla to Antigua (NV-Charts) bestellt. Von der Charterbasis gab es die Imray Karten zu diesem Gebiet. Diese waren grundsätzlich besser, beide Sätze ergänzten sich aber zum Teil auf sehr nützliche Weise in den Detailkarten.

Bei Amazon habe ich den Cruising Guide to the Leeward Islands (The Cruising Guide) gekauft, ein absolut unverzichtbares Werk. Vom Vercharterer erhielten wir noch ein Exemplar, es leistete aber schon in der Vorbereitung gute Dienste. Darüber hinaus hatte ich den Grenada to the Virgin Islands: A Cruising Guide to the Lesser Antilles (Imray Cruising Guide). Dieser bietet gegenüber dem Doyle keinen Mehrwert. Im Doyle sind Ankerbuchten und Häfen ausführlicher beschrieben und vor allem die Detailzeichnungen sind vielfältiger und besser. Ausserdem bietet der Doyle deutlich mehr und aktuellere Informationen zu Behördengängen und Versorgungsmöglichkeiten.

 


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