Grönland

Mit Schlittenhunden unterwegs
16.05.2007

 

Im April 2000 wurde ich eingeladen, an einer ungewöhnlichen Reise teilzunehmen: 9 Tage in Grönland, inklusive einer knapp 4 tägigen Hundeschlitten-Tour zum Inlandeis.

Anreise

Nach Grönland kommt man via Kopenhagen (eine gute Gelegenheit, zumindest einen Tag in der absolut sehenswerten Stadt zu verbringen!). Die SAS fliegt von Kopenhagen nach Kangerlussuaq an der Westküste Grönlands. Dort stiegen wir um auf eine kleine Propellermaschine der landeseigenen Fluggesellschaft Grönlandsfly, mit der es einige hundert Kilometer weiter nach Norden ging: nach Illulissat am Eisfjord. Bereits der Flug war ein kleines Erlebnis, insbesondere der Anflug über den mit Eisbergen übersäten Fjord.

Das Leben in Grönland

Die Nächte in Illulissat verbrachten wir bei einer grönländischen Einheimischen. Wir wurden mit einer Herzlichkeit aufgenommen, wie sie mir als völlig Fremde noch nie zuvor entgegen gebracht wurde. Die Wohnung war warm und gemütlich - schmuckvoll und bunt eingerichtet.
Und auf einem Niveau "technisiert", das mich überraschte. Der Fernseher im Wohnzimmer ist so gross wie in jeder europäischen Wohnung, es gibt die gleichen Stereoanlagen, Waschmaschinen, Internetanschluss. Warum auch nicht... es gibt alles zu kaufen in dem kleinen Warenhaus des Ortes. Vom Salatkopf bis zum Computerspiel wird alles eingeflogen oder per Schiff geliefert.
Mitte April kam im Jahr 2000 gerade das erste Versorgungsschiff des Jahres durch. Bis dahin ist der Eisfjord und der Hafen von Illulissat zugefroren und die Versorgung erfolgt vollständig durch die Luft.
Im Übrigen fahren die Grönländer für Ihr Leben gerne Auto. Dabei besitzen nur wenige selbst eines. Dafür lassen Sie sich zum Beispiel 2 Stunden Taxifahren zum Geburtstag schenken.

Grönländerinnen in Landestracht
Grönländerinnen in Landestracht
Illulissat beim Landeanflug
Illulissat beim Landeanflug
Wo landet ER denn...
Wo landet ER denn...
Illulissat
Illulissat
Der Hafen von Illulissat
Der Hafen von Illulissat
Die Seehund-Klamotten
Die Seehund-Klamotten
Aussicht vom Schlitten
Aussicht vom Schlitten
Übernachtungshütte von Fischern und Fängern
Übernachtungshütte von Fischern und Fängern
Nachtlager in einer Hütte
Nachtlager in einer Hütte
Blick auf den Eisfjord - Kante zum Inlandeis
Blick auf den Eisfjord - Kante zum Inlandeis

Illulissat - der Ort

Der Ort besteht aus vielen, meist zufällig verstreuten Hütten. Wenige sind aus Stein, die meisten entsprechen in ihrer Bauweise unseren Fertighäusern oder einfachen Wellblechhütten. Sie sind nicht mal besonders gut gegen die Kälte isoliert.
Stattdessen sind die Häuser auch von außen sehr farbenfroh und wirken dem grauen Schlamm und Schutt entgegen, der das Bild dominiert. Als wir ankamen, waren die Wege und Wiesen noch weitgehend mit Schnee oder Eis bedeckt. 9 Tage später hatte Tauwetter eingesetzt und die Strassen nahmen ein eher graues Erscheinungsbild an.
Ostersonntag war der Tag, an dem die Hundeschlittentour begann. Morgens standen wir relativ früh auf, um zur Kirche zu gehen. Das heißt: wir postierten uns vor der Kirche, denn Ostersonntag ist einer der wenigen Festtage in Grönland, an dem noch Tracht getragen wird. Und die ist besonders bei den Frauen mit bunten Perlenumhängen und Stickereien sehenswert.

Die Hundeschlitten-Tour

Sonntag Mittag trafen wir - 4 deutsche Touristen - unsere 4 Hundegespanne und die einheimischen Führer, um auf die 3 ½ tägige Tour zu starten. Tags zuvor waren wir bereits dafür eingekleidet worden und waren nun dick verpackt in etwa 10 Kilo Seehundfell. Hervorragend geeignet gegen den Fahrtwind, tendenziell war man aber zu warm angezogen, sobald man einige Minuten regungslos in der Sonne stand oder gar hinter dem Schlitten einen Berg hinauf rannte.
Unser Gepäck wurde unter einem Rentierfell auf dem Schlitten verstaut und wir rittlings darauf. Die Schlittenführer rutschen meist auf den Schuhsohlen oder laufen auch hinter dem Schlitten her; zum Bremsen, Schieben oder Lenken. Das Gespann besteht üblicherweise aus 13 bis 17 Hunden. Auf vereisten Flächen erreichen sie eine Geschwindigkeit bis zu 20 km/h. Geht es bergauf, müssen jedoch die Fahrgäste absteigen und hinterher laufen.
Am ersten Tag fuhren wir am Eisfjord entlang, besser gesagt auf dem im April noch zugefrorenen Eisfjord entlang bis zur Kante des Inlandeises. Übernachtet wurde während der drei Nächte in Hütten, die auch von einheimischen Fischern und Jägern benutzt werden.
Am Zweiten Tag fuhren wir an der Kante des Inlandeises auf dem Eisfjord entlang. Dabei machten wir auch einen Abstecher auf den Gletscher. Leider mussten wir wegen des starken Windes auf dem Inlandeis nach einer kurzen Strecke wieder umkehren. Trotzdem war es beeindruckend, auf der massiven Eismasse zu stehen. Anders als bei bewegten Gletschern, wie man sie in den Bergen findet, bildet das Eis eine vollkommen geschlossene, massive und weitgehend glasklare Fläche. Nur gelegentliche Schneewehen stören den Blick auf die hellblaue Eismasse.
Am letzten Tag waren wir noch mal auf dem Eisfjord unterwegs. Die Fahrt zwischen den aufgetürmten Eisschollen war atemberaubend.
Dabei trafen wir auch Eisfischer, die an einer Wasserrinne ihr Lager aufgeschlagen hatten. Als Bett dienen zusammengeschobene Hundeschlitten, über denen eine Zeltplane aufgespannt wird. Darin wird ein Ölbrenner angezündet, der die ganze Nacht brennt und als Heizung dient.
Am vierten Tag ging es zurück nach Ilulissat. Das Bedauern über das Ende der Fahrt wurde dabei durch die Vorfreude auf eine heisse Dusche aufgewogen.

In voller Montur
In voller Montur
Der Hundeschlitten
Der Hundeschlitten
Ein kleiner Imbiss
Ein kleiner Imbiss
Auf dem Eisfjord
Auf dem Eisfjord
Hunde auf dem Eis
Hunde auf dem Eis
Hunde auf dem Eis
Hunde auf dem Eis
Eisfischer
Eisfischer
Sonnenuntergang über dem Fjord
Sonnenuntergang über dem Fjord
Zwischen Eisbergen
Zwischen Eisbergen
Auf dem Fjord
Auf dem Fjord

Schifffahrt auf dem Eisfjord

Am letzten Tag in Illulissat machten wir eine knapp zweistündige Fahrt mit einem Fischkutter auf dem Eisfjord. Dieser ist im April an seiner Mündung ins Meer bereits aufgetaut, die Fahrt führte aber noch zwischen zahlreichen Eisbergen hindurch. Die Fahrt war atemberaubend und unbedingt empfehlenswert, denn näher kommt man den weißen Riesen auf keinem anderen Weg.So exotisch das Reiseziel zunächst anmuten mag - die Schlittenfahrt hat unglaublichen Spaß gemacht. Teils wünsche ich mir, dass sich möglichst viele zu diesem Abenteuer hinreißen lassen, genauso wünschenswert ist es andererseits, dass Grönland lange vom kommerziellen Massentourismus verschont bleibt.

Eisberg
Eisberg