GPS im Flugzeug
Umfrage
Wie die Umfrage unter den Besuchern vom Juni 2003 hier auf den GPS-Seiten von kowoma zeigt, haben bisher nicht allzuviele Leute Ihren GPS (so sie denn überhaupt einen haben) auf Flügen in Passagierflugzeugen benutzt. Von 320 abgegebenen Stimmen waren es immerhin 83 % (266 Stimmen). Lediglich 14 % (45 Stimmen) haben ihr GPS-Gerät bereits auf Flügen verwendet und 9 Leute (3 %) wollten ihr GPS gerne benützen, durften dann aber nicht.
Funktioniert mein GPS im Flugzeug überhaupt?
Es sollte mit ziemlich jedem Handheld-GPS möglich sein, einen akzeptablen Satellitenempfang in Passagierflugzeugen zu erreichen, sofern man einen Fensterplatz hat. Hat man diesen nicht, kann man das Gerät gleich eingepackt lassen. Es kommt aber auch an Fenstern vereinzelt vor, dass aufgrund der ungünstigen Position von Satelliten und Flugzeug keine Positionsbestimmung möglich ist, das wird aber sicherlich nicht während des ganzen Fluges anhalten. Man muss das Gerät jedoch sehr nahe am Fenster halten und ein wenig probieren, wo und wie der Empfang am besten ist.
Wozu soll das Ganze gut sein?
Nun, wichtig ist es sicherlich nicht, man wird sein Flugziel auch ohne
GPS erreichen, der Pilot hat ja eines...(hoffentlich, und hoffentlich
nicht nur das)
Aber es ist ganz einfach sehr interessant. Neben Flughöhe und Geschwindigkeit,
die ja auch oft auf den Bordbildschirmen angezeigt werden, hat man besonders
bei Geräten mit Karte einen netten Nutzen: Man hat für alle
größeren Städte, Flüsse und Seen, die man beim
Blick aus dem Fenster sieht, gleich den Namen parat. Vorausgesetzt die
richtige Karte ist installiert.
Ist es denn erlaubt? Die Umfrage bei den Fluggesellschaften.
Gleich vornweg - hier gibt es nur eine Antwort: Vielleicht.
Ich habe parallel zur Umfrage unter den Besuchern von kowoma an alle
Fluggesellschaften, die mir in den Sinn und unter die Tastatur gekommen
sind, per E-Mail oder bei deren Web-Formular die Anfrage verschickt
(je nachdem englisch oder deutsch), ob die Verwendung von GPS-Geräten
an Bord erlaubt ist. Dabei habe ich immerhin 145 Fluggesellschaften
zumindest insoweit erreicht, dass eine E-Mail nicht mit Empfänger
unbekannt zurück kam, oder ein Formular keine Fehlermeldung brachte.
Interessanterweise sehen einige Fluggesellschaften anscheinend keine
Kontaktaufnahme per E-Mail oder Web-Seite vor. So beispielsweise Southwest
Airlines, Ryanair, British Airways und Air-France. Ich habe zwar auch
nicht davor zurückgeschreckt, in solchen schwierigen Fällen
auch an allgemeine, von mir geratene Mail-Adressen wie support@ oder
info@ zu schreiben, hatte aber nur selten Erfolg damit. Auf schriftliche
Anfragen per Brief habe ich verzichtet.
Die Wirkung auf die Anfrage war erstaunlich, ebenso die Antwortzeiten.
Die schnellsten Antworten kamen am selben Tag, 80 % der angeschriebenen
Fluggesellschaften haben jedoch innerhalb eines Monats überhaupt
nicht geantwortet. Auffällig ist ein Nord-Süd-Gefälle
innerhalb von Europa. Die nordeuropäischen Fluglinien nehmen es
anscheinend mit dem Kundendiest anscheinend noch sehr ernst. Das finde
ich sehr lobenswert.
Unter den Fluggesellschaften die nicht geantwortet haben befinden sich
sicherlich zahlreiche, bei denen ich vielleicht überhaupt nicht
das richtige Ziel erreicht habe, oder bei denen man nicht sicher sein
kann, dass der Empfänger auch des englischen mächtig war.
Andererseits hatten es aber auch eigentlich renomierte Fluggesellschaften
wie: Deutsche BA, LTU, American Airlines und die Swiss anscheinend nicht
nötig, meine Anfrage überhaupt zu beantworten. Das ist nicht
gerade ein Beweis für Ihre Kundennähe.
Die Qualität der Antwort korrelierte leider auch ein wenig mit der Antwortzeit, zu oft sind schnelle Antworten auch offensichtlich unüberlegte Antworten gewesen. Nachfolgend einige besonders schöne Antworten, die erste davon erhielt ich auch besonders schnell:
Hapag-Lloyd-Flug:
Der Transport solcher Geräte ist zwar grundsätzlich erlaubt,
der Betrieb derselben aber während des kompletten Fluges wegen
möglicher Interferenzen mit dem Cockpit-Instrumentarium streng
verboten!!.
Bei Transport von Fahrzeugen mit installierten Navigationssystemen
müssen die GPS komplett deaktiviert werden.
Dies entspricht den internationalen Transportvorschriften der IATA,
wie Sie für alle Airlines weltweit gelten.
Möglicherweise ist dies nicht die Antwort, die Sie vielleicht
erhofft hatten. Aus unserer Sicht besteht aber keinerlei Notwendigkeit
für Passagiere während eines Fluges ein solches Gerät
zu betreiben - außer Neugier und 'Spieltrieb', die katastrophale
Folgen haben könnten.
Ich konnte leider keinen Hinweis auf derartige Transportvorschriften der IATA finden, jedoch schreibt:
Scandinavian Airlines:
SAS policy regarding use of electronic equipment during flight,
is the same as all AEA (Association of European Airlines) airlines.
That means that the use of portable electronic devices (PED) that
does not transmit a radio signal, may be used during the cruise
portion of the flight (while the seatbelt sign is OFF). This also means
that a handheld GPS receiver may be used when the seatbelt sign
is OFF.All PED (even laptops, walkmans etc.) must be switched OFF
during takeoff and landing (seatbelt sign ON)
Es ist sehr interessant, dass es offensichtlich durchaus zumindest europaweit eigentlich Richtlinien gibt, welche Sorte Geräte in Flugzeugen benutzt werden dürfen und welche nicht. Es haben sich also schon Leute hierüber ernsthaft Gedanken gemacht.
Delta Airlines erwähnt netterweise als einzige (mir bekannte) sogar auf Ihren Webseiten hier neben zahlreichen anderen Geräten GPS-Empfänger mit dem Hinweis, dass der Betrieb während der "Cruise"-Phase (Anschnallzeichen aus!) erlaubt ist (siehe Ähnlichkeit mit der Antwort von SAS oben in gelben Block).
Bei einem Flug mit EasyJet im Frühsommer 2004 habe ich im Bordmagazin die ausdrückliche Erwähnung von GPS-Geräten und die Erlaubnis zur Verwendung wärend des normalen Fluges entdeckt.
Sehr interessant auch die Antwort von Augsburg Airlines, deren Vertreter
sich zunächst dafür entschuldigt hat, dass er zuerst die Regelungen
abklären muss. Er hat netterweise nicht einfach geschrieben hat,
es ist verboten, wie vermutlich manch anderer. Wie sich dann, nachdem
er sich informiert hatte (ja, soetwas gibt es) herausstellte, (Hinweis
zum Verständnis: Augsburgair fliegt ausschliesslich für die
Lufthansa) hat die Lufthansa ähnliche Regelungen wie die SAS, die
swiss und Delta. Herzlichen Dank an Augsburg Air für diese Informationen.
Wer nun in der Liste unten bei der Lufthansa nachsieht, wird trotzdem
feststellen, dass hier eine negative Antwort gegeben wurde. Nun, das
war die Antwort der Lufthansa, und trotz mehrmaligem Nachfragen blieb
es dabei, obwohl die mir vorliegenden Richtlinien (Juli 2003) der Lufthansa
zum Gebrauch von elektronischen Geräten an Bord eindeutig den Gebrauch
von GPS während der normalen Flugphase erlauben.
Manche Fluggesellschaften stellen GPS-Empfänger mit Radioempfängern gleich, deren Betrieb nicht erlaubt ist. Wieder andere erlauben den Betrieb, solange das Gerät keine Antenne hat. Hier kommt einem spontan der Gedanke: Muss die Antenne sichtbar sein? Andere Fluggesellschaften sagen: Es ist erlaubt, wenn es nicht selbst sendet. Eine japanische Fluglinie hatte leider meine Frage nicht verstanden und schrieb, sie wären momentan nicht am Kauf von GPS-Geräten interessiert. Schade auch.
Ist es denn erlaubt? Fazit
Nach allem was man über den Gebrauch von elektronischen Geräten in Flugzeugen findet, gilt folgendes:
- Wenn es sendet ist es immer verboten! (Nebenbei bemerkt: Ganz speziell fallen hierunter Handies.)
- Während Start, Landeanflug und Landung sind alle elektronischen Geräte (ausser im wesentlichen) Armbanduhren und Herzschrittmacher (aha!) auszuschalten. Hier gilt bei allen Fluglinien: Sicher ist sicher, das Risiko geht keiner ein. Das sollte auch jedem Passagier klar sein, deshalb: Bitte daran halten.
Interessanterweise scheint es jedoch auf der anderen Seite keinen einzigen wirklich nachgewiesenen bzw. reproduzierbaren Fall zu geben, bei dem elektronische Geräte von Passagieren tatsächlich die Bordelektronik negativ beeinflusst hätten. Aber das wird vermutlich auch wirklich keiner wollen, deshalb ist sicherlich Vorsicht geboten und im Zweifelsfall gilt: Verboten.
Geräte die nicht dafür gebaut sind, selbst zu senden, und darunter Fallen GPS-Geräte, stellen typischerweise kein Problem dar und könnten eigentlich erlaubt sein. Interessant in dem Zusammenhang ist dieses Dokument (englisch; toter Link), in dem GPS-Empfänger den gleichen Status haben wie CD-Player und PCs und während des normalen Fluges verwendet werden dürfen. Regeln (englisch) der FAA (Amerikanische Luftfahrtbehörde) sagen aber, dass keine elektronischen Geräte verwendet werden dürfen (Ausnahme: Rasierapparat(?), Herzschrittmacher und einiges mehr), es sei denn, die Fluglinie bestätigt, dass das Gerät die Bordelektronik nicht stört.
Ein Pilot der swiss (die ja, siehe oben, offiziell nicht geantwortet hat) hat mir in der Zwischenzeit mitgeteilt, dass es sehr wohl eine offizielle Richtlinie zur Verwendung von GPS-Geräten bei Ihnen gibt. Diese deckt sich mit der oben zitierten Antwort der SAS. Erlaubt, ausser bei Start und Landung.
Seit 2007 gilt in Deutschland eine Verordnung die Ausnahmen zum Verbot des Betriebs elektronischer in Luftfahrzeugen, welches GPS-Geräte explizit ausnimmt. Trotzdem gilt natürlich, dass der Flugkapitän bestimmt. Zumindest ist es nach deiesem Gesetz nicht wiedersprüchlich oder ungewöhnlich, wenn er es dann erlaubt.
Ist es denn erlaubt? Was nun?
Eines ist sicher: Das letzte Wort hat immer der Flugkapitän. Auch
wenn auf der Homepage einer Fluggesellschaft noch so oft steht, es ist
erlaubt, wenn der Flugkapitän es verbietet, dann ist es verboten.
Aber interessanterweise sind es gerade die Piloten - die ja das beste
technische Verständnis der Materie haben und auch wissen was ein
GPS ist - die in den meisten Fällen die Verwendung der Geräte
erlauben werden. Manchmal wird man anscheinend wohl gefragt, ob die
Geräte "FCC approved" sind, was bedeutet, dass sie nicht
nennenswert selbst strahlen. Alle GPS-Handgeräte haben diese Zulassung,
die meist auf dem Gehäuse oder in der Anleitung zu finden ist.
Wer es also genau wissen und auf Nummer sicher gehen will, sollte beim
Einsteigen oder irgendwann zwischendurch im Cockpit nachfragen (leider
nicht mehr so einfach möglich) oder nachfragen lassen (wird meist
gemacht). Die FlugbegleiterInnen selbst werden in vielen Fällen
überhaupt nichts mit den Geräten anzufangen wissen. Das kann
bedeuten, dass wenn sie einen damit hantieren sehen, sie aus allen Wolken
fallen und es für ein Handy halten. Oder aber es für einen
kleinen Computer oder ein Spielzeug halten und sich überhaupt nicht
dafür interessieren. Letztere Erfahrung habe ich persönlich
gemacht.
Ergebnis der Umfrage bei den Fluggesellschaften
Leider sind die nachfolgenden Listen mit Informationen welche Fluggesellschaft
die Verwendung von GPS erlaubt und welche nicht, vermutlich nicht einmal
den Speicherplatz wert, den sie verbrauchen, da ich bei diversen Antworten
ernsthafte und begründete Zweifel habe, ob der Antwortende oder
die Antwortende wirklich wusste, worum es geht.
Ich betitele deshalb die Liste nicht mit: Fluggesellschaften, die die
Verwendung erlauben bzw. verbieten sondern mit: Haben geantwortet, dass
sie die Verwendung erlauben bzw. verbieten.
Folgende haben geantwortet, dass sie die Verwendung erlauben:
| Fluglinie | Land |
| Aeromexico | Mexiko |
| Arkia Israeli Airlines | Israel |
| Delta Airlines | USA |
| Estonian Air | Estland |
| EasyJet (Stand: 2004; Bordmagazin) | Deutschland |
| Falcon Air | Schweden |
| Icelandair | Island |
| Qantas Airways | Australien |
| SAS Scandinavian Airlines | Schweden |
| US Airways | USA |
Folgende Fluggesellschaften haben geantwortet, dass sie die Verwendung nicht erlauben:
| Fluglinie | Land |
| Aero Lloyd | Deutschland |
| Air New Zealand | Neuseeland |
| Air Transat | Kanada |
| Air Mauritius | Mauritius |
| Asiana | Südkorea |
| Austrian Airlines | Österreich |
| Condor | Deutschland (Stand Ende 2006) |
| Continental Airlines | USA |
| Croatia Airlines | Kroatien |
| Deutsche Lufthansa | Deutschland |
| Edelweiss Air | Schweiz |
| Emirates Airways | Vereinigte Arabische Emirate |
| Hapag-Lloyd | Deutschland |
| Horizon Air | USA |
| KLM | Niederlande |
| Luxair | Luxemburg |
| United Airlines | USA |
| Virgin Atlantic | Grossbritannien |
| Varig | Brasilien (Stand Ende 2005) |
| Wideroe | Norwegen |
Stand der Listen ist: 01.07.2003
Zum Schluss
Herzlichen Dank an alle Vertreter der Fluggesellschaften, die sich wirklich die Mühe gemacht haben, eine fundierte und verlässliche Antwort zu geben. Und eine Mahnung an alle, die garnicht geantwortet haben und vor allem and die, die nur der Bequemlichkeit halber mit Nein geantwortet haben. Diese möchten doch bitte Ihren Kundenservice etwas ernster nehmen.
Alle Angaben sind selbstverständlich ohne Gewähr und ich übernehme wie bei allen Informationen auf www.kowoma.de weder irgendwelche Garantien noch Haftungen dafür.
