Gerätetests
2009-04-12

GPS-Datenlogger i-gotU GT-100

GPS-Datenlogger gibt es mittlerweile in vielen Ausführungen. Mit und ohne Bluetooth, tendenziell immer kleiner und mit immer grösserem Speicher. Während Logger mit Bluetooth häufig als GPS-Gerät für Handy oder PocketPC verwendung finden sind Geräte ohne Bluetooth eher selten und dienen vor allem einem Zweck: Dem reinen Sammeln von Positionsdaten.

Was man anschliessend mit den Daten macht bzw. machen kann hängt stark von der verfügbaren bzw. mitgelieferten Software ab. Eine der Hauptanwendungen ist sicher das Herzeigen des zurückgelegten Weges und gegebenenfalls die Einbindung von gemachten Fotos. Hier geben sich viele Hersteller spartanisch und man ist häufig auf Software von anderen Anbietern angewiesen. Es gibt zwar hervorragende Programme zu diesem Zweck (siehe hier), nun scheint der Hersteller Mobile Action (englisch) erkannt zu haben, dass es nicht jedermanns Sache ist, nach passender Software für diesem Zweck zu suchen und liefert ein recht komfortables Programm zu ihren Loggern mit.

Die kleinen i-GotU Travel Logger, tragen nicht nur ein "i-" im Namen sondern erinnern auch designmässig irgendwie entfernt Apples iPod. Es gibt sie in zwei Varianten. Der kleine GT-100 ist ein reiner Logger, der etwas grössere GT-200 hat auch ein Bluetooth-Modul. Die Funktionalität ist ansonsten gleich. Hier wird der kleine GT-100 vorgestellt, da mich seine Eignung zum Geotagging interessiert.

 

Lieferumfang und Bedienung

Die Blisterpackung enthält eine CD, die "Docking-Station" mit (recht kurzem) USB-Kabel sowie den Logger selbst. Der Logger ist mit einem hellblauen Silikonmantel geschützt (der abnehmbar ist) und wird als wasserresistent angegeben. Aufgrund der Konstruktion und der Kontaktleiste ist dies glaubwürdig. Überprüft habe ich es nicht, ich würde dem Gerät aber einen Einsatz bei Regen zutrauen.

Mit 21 g (ohne Silikonschutz) und einer Grösse von 47 x 29 x 12 mm gehört der Winzling wirklich zu den kleinsten und leichtesten Datenloggern die ich kenne. Ideale Voraussetzungen zum "immer Mitnehmen". Der Silikonschutz hat hinten eine Gurtschlaufe, mit dem das Gerät an einem Rucksackgurt oder am Gürtel befestigt werden kann. Man kann dann ganz praktisch den Silikonschutz am Rucksack lassen und zum Auslesen oder Laden den Logger auch ohne den Schutz in die "Dockingstation" einsetzen. Das System ist wirklich gut durchdacht. Alternativ kann man auch eine (nicht mitgelieferte) Trageschlaufe an einem Eck des Geräts selbst einfädeln und sich den Logger z.B. um den Hals hängen.

Zur Bedienung hat der Logger nur einen Knopf auf der Vorderseite sowie zwei LEDs (rot und blau) die den aktuellen Betriebsstatus anzeigen. Die Einschätzung des Betriebszustandes ist manchmal allerdings etwas knifflig.

Zum Einschalten drückt man den Knopf für mindestens 1.5 Sekunden (bis die blaue LED leuchtet) und lässt dann den Knopf wieder los.

Zum Ausschalten drückt man den Knopf für mindestens 1.5 Sekunden (bis die rote LED leuchtet) und lässt dann den Knopf wieder los.

Die verschiedenen LED-Signale des i-gotU GT-100
tracking Data logged Push-to-Log Memory full Battery low
Verfolge Satelliten Datenpunkt aufgezeichnet Datenpunkt nach Druck auf Taste aufgezeichnet Speicher voll Akku schwach

Da im normalen Betrieb die blaue LED nur alle 16 Sekunden kurz blitzt ist es manchmal schwierig zu sehen, ob das Gerät überhaupt an ist. Auch die Blinksequenz beim Loggen eines Punktes durch Drücken der Taste (hier geht die blaue LED an, solange man drückt, danach erscheint die Sequenz) erscheint stark verzögert.

Die Programmierung und Bedienung der Software wird weiter unten im Kapitel Software noch etwas näher beschrieben.

 

Empfangsqualität und Laufzeit

Der Datenlogger ist mit einem Sirf-III-Chipsatz ausgestattet. Die Empfangsleistungen dieses Chipsatzes sind sehr gut, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber man merkt ihm im Vergleich zum MTK-Chipsatz mittlerweile sein Alter an. Möglicherweise auch bedingt durch die zwangsläufig recht kleine Antenne hat der Logger unter sehr ungünstigen Bedingungen schneller Probleme als mein persönlicher Referenzempfänger iBlue 737 (hier). Speziell wenn man in in einer Hostentasche trägt, anstatt wie empfohlen mit freier Sicht zum Himmel, kommt der Empfänger an sein Limit. Zeiten für Kaltstart etc. lassen sich nicht messen. Die Schnittstelle gibt zwar NMEA-Daten (RMC, GGA, GSA und GSV) aus, die mit jedem kompatiblen Programm verarbeitet werden können, aber man kann ansonsten den Logger mit anderen als dem mitgelieferten Programm nicht ansprechen. Auch mit Sirf-Tools hatte ich keinen Erfolg.

Die Akku-Laufzeiten sind je nach Häufigkeit der Aufzeichnung sehr unterschiedlich. Die Software gibt bei der Programmierung zwar die zu erwartenden Zeiten an, da es sich aber wohl nur um recht grobe Schätzungen handelt, waren bei mir die Werte andere.

Um es vorweg zu nehmen, man kann den Logger frei programmieren, so dass er jeweils alle 1 Sekunde bis 3659 Sekunden (60m 59 s) einen Datenpunkt aufzeichnet. Bei einem Intervall von 1 Sekunden bis 6 Sekunden kann man einen PowerSafe-Modus einschalten, bei grösseren Intervallen ist dieser Modus immer an.

 

Einstellungen gespeicherte Punkte Laufzeit
1 Sekunde + power safe 16217 3h 36m
2 Sekunden + power safe 15506 8h 44m
5 Sekunden + power safe 6829 9h 32m
10 Sekunden 2409 14h 30m
15 Sekunden 2124 17h 32m
5 Minuten 698 5d 4h 50m

 

Man sieht an dieser Tabelle schon, dass dieser Logger extrem flexibel ist. Mir ist kein anderer Logger bekannt, der über mehr als 5 Tage Daten aufzeichnen kann. Natürlich ist es fraglich, ob man eine Anwendung findet, wo es reicht alle z.B. 5 Minuten einen Punkt aufzuzeichnen, aber es ist möglich.

Leider kann der Logger nicht entfernungsabhängig aufzeichnen, das hat vermutlich mit der extremen Stromspareinstellung des Chipsatzes zu tun, so dass der GPS-Chip nur immer kurz zur Positionsbestimmung aktiviert wird und nicht kontinuierlich mitläuft.

Ein wenig schade ist, dass weder der Speicher (maximal 16255 Punkte) noch der Akku für sehr lange Laufzeiten bei Aufzeichnungsraten im Sekundenbereich ausreichen. Meines Erachtens sind 5-10 Sekunden Aufzeichnungsrate für die meisten Anwendungen empfehlenswert. Zumindest wenn man den Logger für Geotagging oder das einigermassen exakte Aufzeichnen von zurückgelegten Strecken verwenden will. Für einen Tag Datenaufzeichnung reicht es aber dennoch, wenn man alle 10 Sekunden einen Punkt speichert.

Die Software unterstützt noch einen erweiterten Modus, mit dem dann geschwindigkeitsabhängig die Aufzeichnungsrate verändert werden kann. Dies kann man in beiden Richtugnen nutzen, also entweder so, dass die Rate erhöht wird, wenn man sich schneller bewegt (so wird der Track exakter) oder dass die Rate verringert wird. Letzteres könnte z.B. fürs Geotagging sinnvoll sein. Solange man sich rasch bewegt (z.B. im Auto) wird man keine Fotos machen und es reicht eine grobe Aufzeichnung (spart Punkte und Akku). Ist man zu Fuss, also langsamer unterwegs kann man die Rate verringern.

Schliesslich hat der Logger noch einen (bisher) einzigartigen Modus: Man kann ihn so programmieren, dass er sich selbstständig zu bestimmten Uhrzeiten ein und ausschaltet. Zusätzlich kann die Taste und die LEDs deaktiviert werden. Sinnvolle und legale Anwendungen dieser Funktion sind schwer zu sehen, aber eines könnte ich mir vorstellen:

Man programmiert der Logger so, dass er sich morgens um 8 Uhr einschaltet und abends im 18 Uhr wieder aus. Die Taste wird deaktiviert. Jetzt kann man z.B. den Logger zum Wandern mitnehmen und braucht keine Angst zu haben, zu vergessen ihn ein/auszuschalten oder versehentlich durch Tastendruck abzuschalten.

Leider scheiterte bei mir diese Automatikfunktion eigentlich immer daran, dass ich mit den Zeitzonen (Logger läuft auf UTC) durcheinandergekommen bin. Es ist also nicht unbedingt ganz klar nachzuvollziehen wann er was macht, funktionieren tut es grundsätzlich aber schon.

 

Software

Die mitgelieferte Software ist ganz anders als die von anderen Datenloggern, ist aber sehr "Nicht-GPS-lastig". Man bekommt keine Seite auf der man einen COM-Port auswählen muss, keine NMEA-Daten gezeigt und auch kein Skyview. Für Tüftler eindeutig zuwenig Informationen, für Luete die einfach Ihren Track mit Fotos verbinden wollen eigentlich ideal.

Eines vorweg: Zumindest bei mir heisst die dem Gerät als CD beiliegende Software i-gotU Desktop und war auch deutsch. Nach dem ersten Start hatte die Software nachgefragt, ob sie sich updaten darf. Es wurde dann eine Software namens "@trip PC" heruntergeladen die deutlich weiter entwickelt ist. Allerdings war diese nur englisch. Hier gab es seither kein automatisches Update mehr, aber die aktuell (2008-10-20) auf der Herstellerseite (hier) herunterladbare Software ist nach der Installation wieder deutsch (auf deutschem XP).

 

Programmieren des Empfängers

Das Programmieren des Empfängers erfolgt auch aus der @trip-Software heraus (Icon mit dem Hammer). Nach Klick auf das Icon hat man zunächst die Möglichkeit ein Passwort für die Konfiguration des Gerätes zu vergeben oder man wird nach dem Kennwort gefragt, falls man schon eines vergeben hatte. Setzt man ein Passwort und vergisst es, kann man später seine Daten nicht mehr auslesen, das Gerät selbst ist nicht "verloren".

Für die weitere Konfiguration stehen zwei Varianten zur Verfügung und das macht das Gerät meines Wissens nach einmalig. Man kann den Logger entweder so programmieren, dass man ihn manuell starten und stoppen kann oder man programmiert ein Zeitprogramm.

 

Manuelles Starten/Stoppen

Programmiert man den Empfänger für die Aufzeichnung mit manuellem Start/Stopp so stehen sechs verschiedene Modi zur Verfügung. Diese sind beliebig editierbar, es sind also sechs Grundkonfigurationen vorgegeben und man kann sich damit für verschiedene Zwecke unterschiedliche Einstellungen zurechtlegen.

In jedem Modus kann man das Aufzeichnungsintervall frei zwischen 1 Sekunde und 60 Minuten und 59 Sekunden wählen. Die Software zeigt auch gleich die voraussichtliche Akkulaufzeit unter den gewählten Bedingungen an. Zumindest bei mir war sie dabei aber eher auf der pessimistischen Seite.

Zusätzlich kann ausgewählt werden, ob die Aufzeichnungsrate beim Überschreiten einer gewählten Geschwindigkeit verändert werden soll. Dies kann nach oben oder unten geschehen und je nach Anwendungszweck Strom oder Speicherplatz sparen helfen.

Hat man seine Einstellungen gewählt wird der Empfänger programmiert und ist einsatzbereit.

 

Zeitgesteuertes Starten/Stoppen

Für die Programmierung mit geplanter Steuerung lässt sich ein Starttermin festlegen und die Zeitzone, nach der das Gerät programmiert wird. Zusätzlich kann man ein Wochenprogramm definieren in dem mit einer Auflösung von 1 Stunde die Zeiten festgelegt werden, in denen der Empfänger aktiv sein soll. Weiterhin kann definiert werden, ob die LEDs und der Knopf auf der Oberseite aktiviert sein sollen oder nicht. Hat man das Programm eingetragen, werden noch die gleichen Einstellungen für das Aufzeichnungsintervall wie im manuellen Modus abgefragt und dann der Empfänger programmiert.

 

Herunterladen der Tracks

Nach der Installation von Treiber und Software und dem Starten der Software meldet sich diese mit einem recht leeren Startbildschirm. Sehr komfortabel ist, dass die Software automatisch den Logger erkennt, wenn man ihn mit dem Rechner verbindet. Sie fragt dann (abschaltbar) ob die Tracks ausgelesen werden sollen. In mehreren Schritten kann man nun dem Track einen Namen geben und entsprechende Bilder zum Track auswählen. Stimmen Uhrzeit der Kamera und GPS überein gibt es da auch keinerlei Nachfrage oder Probleme.

Was das Schreiben der GPS-Daten in die Bilddatei angeht, werden die Daten aber anscheinend in einem nicht ganz standardmässigen Format abgelegt (vermutlich gleich wie bei Picasa). So erkennt nämlich Picasa die geschriebenen Informationen und auch ein paar andere sehr flexible Programme wie Geosetter. Nicht erkannt werden die Daten aber von den Adobe Programmen Lightroom, Photobridge, Photoshop und auch nicht vom Tool Panorado Flyer.

Hat man schliesslich den Importvorgang erfolgreich ausgeführt, präsentiert sich eine Karte (Google Maps) mit dem Track und einem Fenster mit kleinen Vorschaubildern.

Fertig importierter Track
Fertig importierter Track

Man kann sich nun entweder begleitet durch eine Kartenansicht oder als Diashow die Bilder des "Trips" der Reihe nach anzeigen lassen, wobei ein Symbol (hier das rote Auto) die zurückgelegte Strecke nachfährt. Man kann die erstellen "Trips" auch verändern, Bilder oder Punkte sowie Landmarkierungen zufügen. Man kann die Daten durch einen rechten Mausklick auf den Trip auch in verschiedene Formate (.MHT, .KML, .KMZ oder auch als .GPX) exportieren wobei einige Exporte nur funktionieren, wenn der GPS-Empfänger angeschlossen ist. Hier scheint der Empfänger eine Art Dongle-Funktion zu haben. Mobile Action bietet auch die Möglichkeit, (nach kostenloser Registrierung) die Daten Online nur ausgewählten Personen oder "der Welt" zur Verfügung zu stellen. Das oben abgebildete Beispiel findet man als Anschauungsobjekt hier.

Tipp für alle die jetzt die Software toll finden sollten und einen GPS-Empfänger haben der aber kein i-gotU ist. Man kann auch .GPX-Dateien einlesen und daraus "Trips" zusammenstellen.

 

Fazit

Der superkleine i-gotU GT-100 ist vielleicht eine neue Generation von GPS-Loggern. Es ist anzunehmen (und auch zu hoffen), dass immer mehr Geräte für weniger technisch versierte Anwender auf den Markt kommen. Solange dabei der Funktionsumfang und die Möglichkeiten nicht auf der Strecke bleiben, ist das in Ordnung.

Der GT-100 hinterlässt bei mir ein zweispältiges Gefühl. Einerseits ist er durch Empfangsstärke, Grösse und Möglichkeiten ein ideales Gerät zum Geotagging. Andererseits geht mir der Akku nicht lange genug, ich vermisse Aufzeichnungsintervalle nach zurückgelegter Strecke und nicht nur Zeit. Und mit sind die etwas über 16000 Datenpunkte zu wenig.

Das Gerät verdient aber die uneingeschränkte Empfehlung für jemanden, der die Bilder seiner Sonntagsausflüge mit Geokoordinaten versehen und vielleicht auch Bekannten oder Verwandten im Internet zeigen möchte.

Mittlerweile (April 2009) gibt es einen Nachfolger (GT-120), der mit 65000 Datenpunkten auch das Problem des geringen Speichers behoben hat.

Ausserdem gibt es mit dem GT-200 eine etwas grössere Version mit Bluetooth-Modul.