Garmin GPS72
Der GPS72 ist kein ganz neues Gerät, erfreut sich aber rechter Beliebtheit. Das ist nicht so verwunderlich, bietet es doch bei einem Listenpreis von € 259.- (Mai 2005) einen reichhaltigen Funktionsumfang und bietet speziell für Marine-Anwendungen Besonderheiten, die man in preislich ähnlichen Geräten der etrex oder Geko-Serie nicht findet.
Erster Eindruck
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Das Erste, was einem eingefleichsten etrex-Besitzer wirklich auffällt, ist die Grösse. Wenn man das Gerät nach einem ersten Ausruf: "Ist der riesig!" dann in die Hand nimmt, merkt man, dass das es dennoch erstaunlich gut in der Hand liegt. Nach dem Einschalten kommt noch eine Überraschung: Das Display ist hervorragend abzulesen.
Das Gerät ist zwar deutlich grösser aber nicht dicker als die etrex-Serie. Das Gewicht fällt mit 220 g inklusive der 2 Mignon-Batterien (Typ AA) nicht aus dem Rahmen (etrex Vista: 160 g). Durch die Größe des Gehäuses, das offensichtlich nicht voll geworden ist, ist das Gerät im Gegensatz zur etrex und Geko-Serie schwimmfähig (wie es sich für ein Marine-GPS gehört).
Design, Handhabung und Verarbeitung
Zum Design lässt sich nicht viel sagen. Der GPS72 ist kein Hingucker aber auch nicht hässlich. Hier folgt das Design in erster Linie der Funktionalität. Während man die etrex-Serie vielleicht mit einem Mobiltelefon verwechseln könnte, gleicht der GPS72 eher einem Taschenrechner.
Das Gerät liegt, wie gesagt, gut in der Hand, das Display ist gut ablesbar, die Tasten sind günstig angeordnet und haben ein angenehmes Bediengefühl. Dadurch, dass sie etwas hervorstehen und recht leichtgängig sind, würde man sich vielleicht eine Funktion zum Sperren der Tasten wünschen, damit man, wenn das Gerät eingeschaltet in einer Tasche steckt, nicht versehentlich etwas verstellt. Immerhin ist der Ein/Ausschaltknopf etwas versenkt, um versehentlichem Ausschalten vorzubeugen. Und andererseits ist das Gerät sicherlich nicht dazu gedacht, um in der Hemdtasche herumgetragen zu werden.
Das Gerät hat ringsum eine Gummiarmierung und unten Gummifüße. Damit liegt es nicht nur gut in der Hand sondern auch gut auf dem Tisch, so dass man sich vorstellen kann, dass es auch auf einem Schiff sinnvoll einsetzbar ist.
Das Gehäuse macht einen robusten und gut verarbeiteten Eindruck. Die Wasserdichtigkeit ist wie bei allen Garmin GPS mit IPX7 (30 Minuten bei 1 Meter Wassertiefe) angegeben. Lediglich das Batteriefach und die vergoldeten Anschlüsse zum Strom/Datenkabel auf der Rückseite könnten nass werden.
Display
Das Display ist sehr groß (42 x 56 mm) und hat eine Auflösung von 120 x 160 Pixeln. Es ist sehr gut abzulesen und hat eine gleichmässige grüne LED-Hintergrundbeleuchtung. Ebenfalls beleuchtet sind die acht beschrifteten Tasten des Gerätes (siehe Bild). Das Größere Gehäuse bietet die Möglichkeit des grossen Displays und ist insofern sogar als Vorteil zu sehen. Gerade deshalb wird es seine Anhänger haben denn besonders unter schwierigen Bedingungen oder für ältere Leute ist das Display ganz klar besser abzulesen als das der kleinen Geräte.
Das Gerät hat im Gegensatz zu gekos und etrex-Geräten eine quadrifilare Helixantenne. Es gibt viele Meinungen zur unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der beiden Antennentypen und wenn man eventuelle persönliche Vorlieben beiseite lässt, so wird man bei Recherchen meist feststellen, dass beide Typen Vor- und Nachteile haben. Ich möchte hier nicht näher auf die unterschiedlichen Antennentypen und ihre Empfangseigenschaften eingehen, vielleicht hole ich dies später noch nach, da ja hierzu durchaus allgemeines Interesse herrscht.
Empfang
Beim ersten Härtetest in punkto Satellitenaquisition hat der GPS72 nicht ganz überzeugt. Ein nahezu ultimativ schlechter Empfang herrscht auf dem äußeren Fensterbrett meines Arbeitszimmers, von dem man lediglich ein recht begrenztes Stück Südost-Himmel sieht. Zudem sollten von einigen Häusern her reflektierte Signale einstreuen. Bei ungünstiger Konstellation ist zeitweise garkein Empfang möglich.
Während zur gegebenen Zeit der Vista relativ rasch mit drei Satelliten eine Positionsbestimmung (2D) durchführen konnte (was einem der Vista interessanterweise nicht verrät (nur über die NMEA-Daten), da er wohl die barometrische Höhe mitverwendet) und bis zu drei weitere Satelliten zwar meist nur schwach aber zeitweise mit ausreichendem Signal empfangen konnte, gelang es dem GPS72 nur, zwei Satelliten mit starken Signal zu Empfangen, was nicht für einen Fix ausreicht. Selbst Drehen, Wenden oder leichte Positionsänderungen des Gerätes haben an dieser Tatsache nichts geändert.
Auch im Auto hat das Gerät zwar soliden Empfang, ist aber fast immer einen Tick schlechter als der Vista oder gar der Geko 201. Das ist ein wenig enttäuschend, sollte doch in einem größeren Gerät Platz für eine größere und somit empfindlichere Antenne sein. Das Gerät hat soliden Empfang, von "anderen Empfangseigenschaften" des verwendeten Antennentyps war jedoch nichts zu merken.
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Das Gerät zeigt in der Statuszeile der Satellitenansicht übrigens
ganz klar an, ob es 2D/3D, differenzielle 2D oder differenzielle 3D (WAAS/EGNOS)
Positionsbestimmung durchführt.
Was auffällt ist, dass die optimale Empfangslage des Gerätes eine andere ist als bei Geräten mit Patch-Antenne. Während man bei Geräten mit Patch-Antenne das Gerät am besten parallel zum Boden hält, ist es für Geräte mit Helix-Antenne besser, das Gerät so zu halten, dass die Antenne in Richtung Himmel zeigt, das Gerät sollte also mit dem oberen Ende gen Himmel zeigen.
Positiv zu werten ist ganz klar, dass das Gerät EGNOS/WAAS fähig ist, denn speziell auf dem Meer oder Seen, wo es typischerweise wenig hohe Hindernisse gibt, sollte der Empfang der geostationären Satelliten meist möglich sein.
Batterielaufzeit
Der Hersteller gibt als Batterielaufzeit im Stromsparmodus 16 Stunden an. Bei meinem Dauertest bei diesmal nur etwa 5 °C und bewährt schlechten Empfangsbedingungen hat das Gerät nach ziemlich genau 10 Stunden abgeschaltet. Nach dem Erholen der Batterien lief das Gerät bei etwas wärmerem Wetter (10-15 °C) noch etwa 2 Stunden mit den selben Batterien. Die von Garmin angegebenen 16 Stunden typische Betriebsdauer erscheinen sehr optimistisch, 12-14 Stunden sollten aber mit ordentlichen Batterien bei nicht ununterbrochenem Betrieb erreicht werden. Bei Akkubetrieb ist die Betriebsdauer typischerweise merklich kürzer. Es gibt keine Möglichkeit, den Batterietyp einzustellen, so dass wahrscheinlich die verringerte Spannung von Akkus die Laufzeit zusätzlich verkürzt bzw. zu recht früher Batteriestandswarnung führt.
Das Gerät hat auf der Rückseite einen kombinierten Strom/Datenanschluss mit einem Standard-Garmin-Stecker. Es ist die etwas grössere runde Variante (anders als bei etrex und geko). Praktisch ist, dass der GPS72 als Eingangsspannung 8-35 Volt verträgt, was ein Kabel für die Stromversorgung im Auto viel billiger macht als bei den etrex oder Gekos.
Bedienung
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Die Bedienung des mehrsprachigen Gerätes ist ähnlich wie bei allen Garmin-Geräten. Das Gerät hat acht mit eigenen Funktionen belegte Tasten. Hiervon sind drei Tasten mit Doppelfunktionen belegt. Die GOTO-Taste dient gleichzeitig als Mann-über-Bord-Taste (MOB). Durch langes Drücken (2 Sekunden) wird ein Wegpunkt gesetzt und sofort daraufhin nachgefragt, ob die Navigation zu diesem Punkt gestartet werden soll.
Die Ein/Ausschalttaste ist (wie üblich) noch zusätzlich mit der Funktion zur Kontrasteinstellung und dem Ein/Ausschalten der Beleuchtung versehen.
Die ENTER-Taste dient bei längerem Gedrückthalten (MARK) zum Setzen von Wegpunkten.
Mit den Tasten PAGE oder QUIT lassen sich die verschiedenen Ansichten (siehe Bild) vorwärts und rückwärts durchschalten. Über die QUIT-Taste kommt man auch immer wieder einen Schritt in der Bedienung zurück und die Taste MENU ruft Untermenüs bzw. ein Hauptmenü auf, in dem noch zusätzliche Einstellungsbildschirme ausgewählt werden können wie z.B. der Reisecomputer, dessen Datenfelder allerdings nicht geändert werden können. Ebenfalls vom Hauptmenü aus werden die Seiten zur Punkte-, Routen- und Kursaufzeichnungsbearbeitung sowie die Konfiguration erreicht. Das Gerät bietet wie üblich die Berechnung von Sonnen- und Mondaufgang und -untergang sowie Mondphasen, günstige Jagd- und Angelzeiten. Als Besonderheit gibt es eine Möglichkeit zur Berechnung von Gezeiten. Ich konnte das Gerät aber nicht zu irgendeiner Anzeige von Gezeiteninformationen bewegen. Die angeblich 3000 eingespeicherten Stationen befinden sic ausschliesslich rund um die USA, über Mapsource Bluemap-Karten liessen sich jedoch wohl auch andere Gebiete aufladen.
Funktionsumfang
Wer bereits einmal mit einem Garmin-GPS gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden. Das Gerät hat natürlich alle gängigen Funktionen und Ansichten, die man zur Navigation benötig. Die Hauptansichten wurden oben bereits erwähnt.
Wegpunkte
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Das Eingeben bzw. Setzen und Auswählen von Wegpunkten ist sehr gut gelöst, wenn man bedenkt, dass es ja keine Tastatur zur Texteingabe gibt. Eine große Zahl Wegpunkte wird man zwar besser vom Computer her übertragen, aber die Eingabe von ein paar aus einer Karte ausgelesenen Punkten lässt sich rasch bewerkstelligen. Sehr interessant ist speziell auch für Geocacher die Möglichkeit der Mittelwertbildung beim Setzen von Wegpunkten.
Karten- und Autobahnansicht
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Praktisch ist, dass über den Vierwegebutton (Rocker) in der Mitte des Bedienfelds auf dem Kartenbildschirm direkt ein Cursor bewegt werden kann. Zeigt man damit auf Wegpunkte, wird der zugehörige Name angezeigt und wenn man mit dem Cursor an den Bildrand stößt, scrollt das Bild in die entsprechende Richtung (siehe linkes Bild). Die Kartenansicht bietet zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten für die Anzeige und es gibt eine Entfernungsmess-Funktion, die über die MENU-Taste zu erreichen ist.
Eine besondere Ansicht, die nur die Marine-GPS haben, ist die Autobahnansicht (ja wirklich!). Hier wird eine Route (oder Track wenn die TracBack-Funktion verwendet wird) dreidimensional in der schrägen Draufsicht dargestellt. Diese Ansicht erlaubt es zu erkennen, ob man sich auf oder neben der geplanten Route befindet (im Bild befindet man sich leicht links daneben). Auch werden aufkommende Wegpunkte bereits in relativ grossem Abstand sichtbar und der weitere Verlauf der Route ist recht gut zu erkennen. In dieser Ansicht kann auch gezoomt werden und Anzahl und Inhalt der Datenfelder im oberen Teil des Bildschirms können frei konfiguriert werden.
Datenfelder
Die Anzahl und der Inhalt der Datenfelder in den verschiedenen Ansichten lassen sich anpassen wobei folgende Datenfelder zur Verfügung stehen:
| Durchschnittsgeschwindigkeit ETA am Wegpunkt ETA am Ziel Entfernung zum nächsten Wegpunkt Entfernung zum Ziel Fahrzeit zum Ziel Genauigkeit Gesamtdurchschnitt Gesamte Fahrzeit Geschwindigkeit im Wasser Geschwindigkeit Gutgemachte Geschwindigkeit Höhe |
Kurs Kursversatz Maximalgeschwindigkeit Peilung Tagesstrecke Tiefe* Track Uhrzeit Wassertemperatur* Wende Zeiger Zeit in Bewegung Zeit zum nächsten Zur Kurslinie |
* Die Anzeige von Tiefe und Temperatur brauchen NMEA-kompatible Zusatzgeräte
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Die Routenplanung (50 Routen sind möglich) am Gerät selbst ist recht komfortabel. Es können Wegpunkte an die Route angehängt, eingefügt und gelöscht werden und die Route kann umgekehrt werden. Zusätzlich zu den Wegpunkten können in der rechten Spalte noch weitere Informationen angezeigt werden. Hat man eine geplante Geschwindigkeit und/oder einen Spritverbrauch definiert, so kann man sich dort gleich die veraussichtlich benötigte Zeit und den Sprit für jeden einzelnen Wegpunkt der Route anzeigen lassen. Auch dies ist eine Funktion die speziell für den Marinebetrieb ausgelegt ist.
Annäherungspunkte (Proximity-Waypoints) sind ebenfalls etwas für die See- oder Luftfahrt. Jeder beliebige Wegpunkt kann durch Eingabe eines Annäherungsradius der zwischen 10 Metern und 100 km frei wählbar ist, zu einem Annäherungspunkt gemacht werden. Bei Näherung auf diese Entfernung macht der GPS 72 mit einem akustischen Signal hierauf aufmerksam.
Neben dem Alarm für Annäherungspunkte gibt es noch akustische Alarme für Ankerversatz, die Ankunft an Wegpunkte, Kursversatz, Flachwasser und Tiefwasser (in Verbindung mit NMEA-fähigen Tiefenmessern)
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Natürlich hat auch der GPS 72 auch eine Kompassansicht, die bis auf die Datenfelder nicht konfigurierbar ist. Die von den etrex bekannte Ansicht mit Kursabweichung gibt es nicht. Sie wird auch nicht benötigt, da hierfür die Autobahnansicht wohl ohnehin besser geeignet ist.
NMEA-Daten
Was die Ausgabe der NMEA-Daten angeht, fällt etwas auf. Während die mir bisher bekannten Geräte eher "Plaudertaschen" waren, ist der GPS72 etwas schüchtern. Speziell fehlen gegenüber anderen Geräte die Datensätze GPGSA und GPGSV. Diese sind zur Navigation nicht nötig, enthalten aber für bestimmte Anwendungen interessante Informationen über empfangene Satelliten und deren Empfangsstärken. Eventuell ist das in anderen Firmware-Versionen als 2.30 anders.
Fazit
Der GPS 72 ist ein solide gebautes Gerät, das besonderen Wert auf gute Ablesbarkeit des Displays und erweiterte Funktionen für die Seefahrt legt. Besonderes Lob gilt dem Display, mit der Batterielaufzeit befindet sich das Gerät in guter Gesellschaft in typischen Bereichen und die Ausstattung lässt eigentlich keine Wünsche offen. Lediglich die Größe des Gerätes ist nicht jedermanns Sache, es ist definitiv kein Gerät für die Hosen- oder Hemdtasche.
Eines hat der Test auch gezeigt, der Antennentyp spielt keine Rolle.
Wer jetzt noch alles über die Bedienung des GPS72 nachlesen möchte, kann sich das Handbuch (englisch) bei Garmin als pdf herunterladen.
etrex, geko, GPS72 - Was ist am Besten?
Mit dem GPS 72, dem gelben etrex und dem geko 201 gibt es eigentlich drei Geräte zu einem recht ähnlichen Preis (wobei der gelbe etrex nach wie vor das günstigste Gerät ist) und mit recht ähnlichem Funktionsumfang. Trotzdem haben die Geräte durchaus unterschiedliche Käuferkreise im Auge.
Wer besonderen Wert auf Größe legt, für den kommt natürlich nur ein geko oder vielleicht ein etrex in Frage. Wer dabei besonders auf die Batterielaufzeit schaut, landet beim etrex, dessen Basismodell (und nur dieses) mit angegebenen 22 Stunden Laufzeit (in Wirklichkeit nur ein wenig schlechter) nahezu doppelt so lange mit einem Satz Batterien läuft wie seine Konkurrenten.
Der geko ist trotz seiner ganz offensichtlich sehr kleinen Antenne bisher ungeschlagen was die Empfangsstärke betrifft, ist natürlich am leichtesten mitzunehmen, hat dafür aber ein sehr kleines Display.
Wem die Größe nichts ausmacht oder wer gesteigerten Wert auf ein wirklich gut ablesbares und grosses Display legt, wird bestimmt mit dem GPS 72 glücklich. Wer die zusätzlichen Seefahrtsfunktionen sinnvoll nutzen kann, wird natürlich auch zum GPS 72 tendieren.
An dieser Stelle noch herzlichen Dank an meine Kollegin Genevieve Brefie, dass sie mir ihren GPS72 geliehen hat.







