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Garmin Edge 305
Aus der Praxis
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G wie „Grundlegendes“: GPS-Empfang, Akkulaufzeiten, …
Inwiefern die genauen Zeiten für die Satelliten-Akquisition mit den im Handbuch angegebenen Zeiten übereinstimmen, habe ich nicht mit der Stoppuhr geprüft. Ich würde aber mal sagen für den Kaltstart ist die Zeit eher optimistisch angegeben. Je nach Position steht man schon mal gefühlte zwei Minuten da und wartet bevor es losgehen kann. Wer das Gerät in einem Rennen mitnehmen und einsetzten will, sollte es also nicht erst beim Startschuss einschalten, sonst hat man eventuell später Probleme dem enteilten Fahrerfeld hinterher zukommen…
Im aktiven Einsatz kann der empfindliche SiRF-III-GPS-Empfänger aber auf jeden Fall überzeugen. Blätterdächer im dichten Laubwald sind für ihn absolut kein Problem und auch in weiteren Schluchten ist der Empfang meist recht gut. Einige Probleme breiteten ihm dann aber doch enge Schluchten, vor allem wenn es dann auch noch Richtung Norden geht (Warum gerade Norden? - siehe Bild). Hier sollte man eines immer bedenken: der GPS-Empfänger sitzt direkt vor (und oft auch unter) dem Fahrer. Der Fahrer schränkt den GPS-Empfang je nach Körperhaltung doch mehr oder weniger ein – da hilft auch ein noch so empfindlicher Empfänger ab und zu nichts mehr.
Apropos Empfindlichkeit: Diese hat ihren Preis und zwar in der Akkulaufzeit. Der Edge 305 wird mit einem internen, aufladbaren Lithium-Ionen-Akku betrieben. Die Aufladung erfolgt entweder über das mitgelieferte Netzteil oder praktischer noch über den USB-Port am Computer. Etwas unrealistisch ist leider die mit 12 h angegebene „Batteriestandzeit“. Möglichweise ist das Wort „Standzeit“ wörtlich zu nehmen. Im Gebrauch erweisen sich je nach Empfangsbedingungen 8 - 10 h maximale Laufzeit als realistisch. Schade, denn Radfahren ist oft eine zeitaufwendige Angelegenheit. Wenn bei einer Tagestour 2 h bis 3 h vor dem Ziel nicht nur der persönliche Akku leer ist, sondern auch der am GPS, so ist das nicht unbedingt fatal, sofern man nur die Kilometerdaten aufzeichnen möchte. So etwas ist allenfalls ärgerlich fürs Ego. Heikel wird es hingegen, wenn man bei besagter Tagestour den GPS zum „Routing“ oder „Tracking“ mitgenommen hat. Auf der Strasse wird man hoffentlich irgendwie zum Ziel finden, im Gelände aber könnte der leere Akku fatal sein. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn der Akku an einem Radcomputer 2 h bis 4 h länger laufen würde. GPS hin oder her: Ich würde bei langen Touren immer dazu raten trotz Edge zumindest eine kleine ausgedruckte oder kopierte Karte auf Papier mitzunehmen. Und eines hat sicher noch nie geschadet: Sich vorab die Route im grob einzuprägen (Der Speicher mit der längsten Laufzeit sollte immer unterm eigenen Helm sitzen.)
Navigation: Routen und Tracks
Die Trackaufzeichnung einer Tour erfolgt kinderleicht sobald man den Startknopf am Edge 305 gedrückt hat. Mit dem Start werden auch alle anderen Trainingsdaten aufgezeichnet. Ebenso leicht ist die anschließende Überspielung der Tracks auf den PC nach Installation der Software. Nach Verbindung des Edge 305 mit dem PC über das USB-Kabel erkennt die installierte Software (siehe unten) das Gerät automatisch und überträgt nach einer vorherigen Abfrage beim Benutzer problemlos alles Daten der aufgezeichneten Trainingsrunde in die Garmin Training Center Software.
Zum Thema „Tracks“ gibt es auf jeden Fall noch zwei Punkte die erwähnt werden müssen und die das Gesamtbild des Edge 305 leider etwas trüben. Der erste Punkt betrifft die generelle Möglichkeiten der Übertragung von Tracks auf den Edge 305. Tracks lassen sich leider nur mit der Garmin Training Center Software auf den Edge übertragen. Ein großer und vor allem unverständlicher Nachteil wie ich finde. Letztlich lassen sich damit Tracks nur zur Navigation auf bereits irgendwann mit dem Edge 305 gefahrenen Strecken einsetzen. Die Möglichkeit Tracks aus externem Kartenmaterial wie z.B. Top 50, Magic Maps oder Swiss Topo Tracks auf den Edge zu übertragen ist nicht oder nicht ohne weiteres möglich. Die Garmin Training Center Software akzeptiert für den Import bisher gar kein Format außer eigene Garmin-Format (crs, tcx). Man ist also voll und ganz auf die Exportfähigkeiten der jeweiligen Kartenprogramme angewiesen. Dass dieser Punkt ein echtes Minus ist, wird später noch deutlicher, wenn die "Routing"-Fähigkeiten des Edge 305 besprochen werden. Aber noch einmal zurück zum Thema „Tracks“. Der zweite Punkt der negativ auffällt betrifft dann speziell die Übertragung der Tracks aus dem Garmin Training Center auf den Edge 305. Leider ist es nicht möglich einzelne Tracks selektiv aus dem Garmin Training Center auf den Edge 305 zu übertragen. Hat man sich in der Garmin Training Center Software erst einmal ein paar duzend Tracks erstellt, können immer nur alle Tracks zusammen übertragen werden. Das finde ich absolut nicht sehr gut gemacht.
Möchte man dann die Tracks auf dem Edge 305 wieder löschen wird man auf eine echte Geduldsprobe gestellt: Man muss jeden Track einzeln auswählen, bestätigen und löschen. Das muss einfacher gelöst werden. Für Garmin sicher bei einem zukünftigen Geräte-Softwareupdate auch kein problem, denn bei den Waypoints und den Routen gibt es ja auch die die Möglichkeit „Lösche alle“. Man stelle sich mal vor, man müsste jeden Waypoint einzeln löschen…
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Der Edge 305 unterstützt auch Routen und damit ist letztlich auch eine „echte“ Navigation möglich (siehe Bild).
Die ersten Versuche mit dieser Routennavigation verliefen jedoch eher holprig. Das liegt in diesem Fall sicher nicht an der Beschreibung im Benutzerhandbuch, denn diese finde ich zu diesem Thema eigentlich ganz gut. Der Grund ist ein anderer: Der Edge 305 ist wie gesagt wie gesagt ein „Sportgerät mit GPS-Funktionalität“. Kartenmaterial lässt sich auf das Gerät nicht laden. Auf dem Gerät können statt dessen manuell Wegpunkte gespeichert werden. Aus diesen Wegpunkten kann man dann eine Route erstellen. Die Anleitung erklärt auch diesen Punkt ganz gut, die Frage ist bloß: Wer macht das so, denn das Procedere wäre für eine mittlere Tour schon recht umständlich und langwierig. Doch hier gibt es über externes Kartenmaterial sehr viele Möglichkeiten und hier ist der Edge 305 auch deutlich kommunikativer als bei den oben besprochenen Tracks. Verschiedene Routing-Programme (wie z.B. Rad.Routenplaner 4.0) oder Kartenmaterial (wie z.B. Top 50, Magic Maps oder Swiss Topo) erlauben es, mit kleinem Aufwand Routen bequem auf den Edge 305 zu laden. Wer Fugawi Global Navigator besitzt, kann nach kurzer Zeit schön gestaltete Routen auf dem Edge laden und findet damit dann bestimmt sein Ziel. Eine Testfahrt auf teils kleinen Nebenstrassen durchs Schweizer Jura zeigt, dass der Edge 305 dann letztlich genau das leistet, was man sich im Bereich Routing im Radsport von ihm wünscht. Leider wird aber auch beim Routing die Freude des Radlers schnell wieder etwas getrübt. Der Grund dafür ist ganz einfach die geringe Speicherkapazität des Edge 305. In einer Zeit von Gigabyte Speichersticks und Flashcards im Miniformat ist es absolut unverständlich, dass der Edge 305 gerade einmal 100 Wegpunkte speichern kann. Theoretisch reichen 100 Wegpunkte für eine Tagestour gerade noch aus, aber nur dann, wenn man sich absolut minimalistisch auf wichtige Kreuzungspunkte konzentriert. Problematisch finde ich die geringe Wegpunktanzahl auch im Hinblick auf Mehrtagestouren. Ein Wochenende mit zwei mittleren Tagestouren ist für die Speicherkapazität des Edge 305 schon zu viel und von einem Kurzurlaub wollen wir erst gar nicht erst sprechen. Einzige Alternative: Wer ein paar Tage immer wieder vom gleichen Ort aus zu verschiedenen Touren startet muss einen Laptop mitnehmen und jeweils die aktuelle Tagestour aufspielen. Das ist zwar eine Möglichkeit, aber nicht gerade ideal wie ich finde. Liebes Garmin Team: Bringt doch bitte zumindest ganz schnell das Modell Edge 306 mit 10-fachem Speicher raus (oder besser noch mit Wechselspeicher) – die paar Franken mehr zahle ich gerne… viel kann so ein bisschen Speicher heute nicht mehr kosten und an der technischen Machbarkeit sollte es auch nicht scheitern, oder?
Eine gute Sache: der „virtuelle Trainingsparter“
Eine einmal selbst gefahrene Trainingsrunde kann ganz einfach in der Software in einen Track umgewandelt werden. Dieser Track enthält dann die gesamte Trainingsinformation, d.h. nicht nur die Weginformationen aus dem GPS, sondern eben auch z.B. die zu jedem Zeitpunkt gefahrene Geschwindigkeit der Runde. Solche Tracks kann man dann auf den Garmin zurückladen und für Training und Navigation nutzen. Man wählt dazu auf dem Edge 305 im Hauptmenü einfach „Training“ > „Kurse“ („Courses“) und dann nach Auswahl eines Tracks „Kurs abfahren“ („Do Course“).
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Ist jetzt in den Einstellung des Edge 305 zusätzlich der Menüpunkt „Virtual Partner“ aktiviert, so startet mit dem Drücken des Startknopfs auch das „Virtuelle Rennen“. Man fährt gegen die eigene Leistung, die ja im Track gespeichert ist. Der Track ist auf der Karte des Edge 305 sichtbar und man kann so auch gut navigieren. Ob man das „virtuelle Rennen“ annehmen möchte kann man natürlich selbst entscheiden, aber ich finde es macht richtig Spaß und der Stand des Rennens kann in verschiedener Art auf dem Display sehr schön grafisch dargestellt werden (siehe Screenshots).
Warum erkläre ich das hier doch etwas ausführlicher? Nun, das Benutzhandbuch ist wie gesagt ganz gut, bis auf die Erklärung für den „Virtual Partner“ Modus. Das die Software zu so einem Gerät nicht im Benutzhandbuch erklärt wird ist eigentlich normal, denn dafür gibt es die Programmhilfe. Die Programmhilfe der Training Center Software erklärt aber den Virtual Partner Modus nicht und das Benutzhandbuch ist im Punkt Virtual Partner Modus minimalistisch. Die Erklärung oben ist sicherlich auch nicht für ein Manual tauglich, soll aber deutlich machen, dass man hier momentan selbst ein wenig probieren muss, bevor man die Möglichkeiten des „Virtual Partner“ voll nutzen kann. Da muss bei Garmin noch mal jemand nachsitzen, denn so eine gute Gerätefunktion so schmalspurig zu beschreiben wird der guten Idee dahinter nicht gerecht.
Zum „Virtual Partner“ noch eine Anmerkung: Hier kann und darf man auch mal kreativ im Training sein. Wer eine vermeintliche Abkürzung vom eigentlichen Track kennt darf auch mal abweichen. Der Edge 305 warnt mit der Meldung „off course“ („ab vom Kurs“. Aber sobald man wieder auf die eigentliche Strecke trifft kommt die Meldung „course found“ („Kurs gefunden“) und weiter geht’s …
Alles Drahtlos – alles gut?
Wer einen drahtlosen Radcomputer hat, kennt das Problem sehr wahrscheinlich: Man fährt gemütlich auf dem Radweg entlang einer Bahnlinie und der Tacho zeigt über 100 km/h. Wer z.B. irgendwo im Rheintal fährt kann da schon mal verzweifeln. Die Störungsanfälligkeit der Drahtlosübertragung ist bekannt, aber bisher gibt es scheinbar keine Geräte die mit diesem Problem klarkommen. Anders bei der Geschwindigkeitsmessung über GPS. Die Bahnlinie nebenan beeinträchtigt die Geschwindigkeitsmessung hier natürlich nicht. Die Störungsanfälligkeit bei der GPS-Geschwindigkeitsmessung ist eine andere: Hier stören Tunnels und enge Schluchten. Doch dafür gibt es beim Edge 305 ja noch die zusätzliche Messung der Geschwindigkeit über den GSC10, die nur dann zugeschaltet wird, wenn kein GPS-Signal empfangen wird. Eine clevere Sache. Sparen kann man sich übrigens auch die Eingabe des Reifenumfangs für die „traditionelle“ Geschwindigkeitsmessung beim Edge 305. Der Reifenumfang wird automatisch aus den GPS-Daten ermittelt und das funktioniert auch noch recht gut. Bei der Geschwindigkeitsmessung mit dem Edge 305 sollte man also praktisch keine Aussetzer haben.
Ein Paralleltest des Edge 305 mit einem Polar Gerät auf einer ca. 5 km Strecke zeigt eine Abweichung von gerade einmal 0.1 km/h bei den Durchschnittsgeschwindigkeiten. Die Beurteilung welches Gerät hier letztlich daneben liegt, überlasse ich gerne verschiedenen Stammtischrunden. Ich finde eine Abweichung von 0.1 km/h im Freizeitbereich aber auch für den ambitionierten Teilnehmer bei Jedermannrennen ziemlich irrelevant.
Auch die Herzfrequenzmessung erfolgt natürlich drahtlos via Brustgurt. Ich habe die Herzfrequenzmessung ebenfalls parallel mit einem Polar Gerät getestet. Fazit: Beide Geräte stören sich nicht, wenn man sie nacheinander in Betrieb nimmt. Ein Vergleich der parallel aufgenommenen Herzfrequenzdaten zeigt eine sehr gute Übereinstimmung: Beide Geräte ergaben im Test auf der 5 km Strecke den gleichen Durchschnittspuls von 130 Schlägen und auch die Abweichung beim Maximalpuls betrug nur 1 Schlag. Auch wenn dies über die absolute Genauigkeit und Richtigkeit der Geräte keine Auskunft gibt, ist dieses Testresultat beruhigend…
Die Trittfrequenzmessung wurde nicht im Paralelltest durchgeführt, da nicht beide Sensoren an einem Rad montiert wurden. Das Pedal wurde für den Test des Edge 305 über einige Minuten von Hand gedreht und die Umdrehungen wurden mitgezählt. Resultat: die auf dem Edge 305 angezeigte Durchschnittsfrequenz stimmt. Und das trotz absichtlich variierter Trittgeschwindigkeit und trotz der Tatsache, dass der Pedalmagnet deutlich weiter als die verlangten 5 mm vom GCS10 entfernt ist.
Die Höhenmessung beim Edge 305 erfolgt wie auch z.B. beim Polar barometrisch. Sehr gut finde ich beim Edge 305, dass bei den erfassten Daten immer Aufstieg und Abstieg gleichzeitig erfasst werden. Beide Daten stehen damit bei der späteren Auswertung zur Verfügung. Beim Polar muss man sich hier entscheiden, welche Daten – Aufstieg oder Abstieg – erfasst werden sollen. Die Tests mit dem Edge 305 verliefen in der Regel problemlos und Vergleich der Datensätze von Edge 305 und Polar zeigte jeweils gute Übereinstimmung. Auch hier gilt das Gleiche, wie schon bei der Herzfrequenz gesagt wurde: Das Testresultat sagt nichts über die absolute Genauigkeit beider Geräte, eine Übereinstimmung ist jedoch aus meiner Sicht sehr beruhigend. Minuspunkte handelte sich der Edge 305 allerdings bei einem speziellen Vergleichstest zur Höhenmessung ein. Bei einem Härtetest im Dauerregen (über 4 Stunden regnete es immer mal wieder länger) versagte der Edge 305 im Vergleich zum Polar kläglich. Die Auswertung der Daten nach der Tour zeigte für den Polar eine gute Übereinstimmung mit der Theorie (Kartenmaterial). Der Höhenmesser am Edge 305 soff dagegen nach einiger Zeit buchstäblich ab. Scheinbar wurde der Drucksensor durch Regenwasser blockiert. Hier muss man sich bei Garmin technisch möglicherweise noch ein paar Gedanken machen, denn Radfahren ist nicht immer Schönwettersport. Ein paar Stunden im Regen kommen schon mal vor und sind nichts Ungewöhnliches.
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