Grids
"Grids" oder Kartennetze stellen eigentlich nichts anderes
dar, als eine andere Schreibweise für Längen- und Breitengrad
einer Position auf der Erde. Man mag sich fragen, warum man dann nicht
gleich bei Längen- und Breitengraden bleibt.
Der Grund ist, dass die metrischen Grids einige Vorteile gegenüber
dem Gradsystem haben. Dies hängt zum Teil mit den Kartenprojektionen
zusammen, mit denen die Koordinatensysteme verwendet werden. Der Hauptgrund
ist, dass ein Längengrad auf der Erde am Äquator (111 km)
eine wesentlich größere Strecke in Kilometern ist, als in Polnähe
(z.B. am 48sten Breitengrad 74 km). Für eine Karte ist es günstig,
wenn der Massstab auf der ganzen Karte der gleiche ist. Dann ist aber
der Abstand der Längengrade auf der Karte nicht überall gleich.
Eine einfache Mercatorprojektion erfüllt diese Bedingung für
große Gebiete, wie wir am Beispiel Grönland - Afrika im Kapitel Kartenprojektionen sehen, nicht. Hier sind
nach der Projektion die Abstände der Längengrade konstant.
Nun ist das Ausmessen oder Eintragen einer Position auf der Karte wesentlich
einfacher, wenn den Koordinaten auf der Karte ein rechtwinkliges Gitter
mit gleichen Abständen zugrunde liegt. Auch Entfernungen lassen sich
so vernünftig ausmessen. Wie gesagt kann keine der einfachen Kartenprojektionen
für große Gebiete dies leisten.
Zunächst ein Beispiel für ein kleines Gebiet.
Swissgrid
![]() |
Für kleinere Länder ist eine einfache Projektion ausreichend. Als kleines Land gilt hier beispielsweise die Schweiz. Das schweizer Koordinatensystem Swissgrid ergibt sich folgendermassen. Zunächst geht man von einem Bessel-Ellipsoiden zur Beschreibung der Erde aus (siehe Kartendatum). Über eine (winkeltreue) schiefachsige Zylinder (Mercator) Projektion erhält man die Kartenabbildung. Die Achse des abbildenden Zylinders liegt dabei in der Meridianebene des Fundamentalpunkts, für den die Position der alten Sternwarte in der Hauptstadt Bern gewählt wurde. Im Fundamentalpunkt ist die Abbildung längentreu (Skalenfaktor=1). Die Meridianebende des Fundamentalpunkts ist die Ebene die durch den Erdmittelpunkt und den Längengrad von Bern beschrieben wird. Sieht man sich typische Koordiaten des Schweizer Koordinatensystems (z.B. 616274 271397) an, so fällt folgendes auf.
![]() |
Die x-Koordinaten sind in der ganzen Schweiz immer deutlich größer als die y-Koordinaten und es gibt keine negativen Werte. Dies dient dazu, Verwechslungen zwischen positiven und negativen und auch zwischen den x und den y Koordinaten zu vermeiden. Als 0,0-Punkt wurde ein Punkt gewählt, der weit ausserhalb der Schweiz (in der Nähe von Bordeaux, Frankreich) liegt. Die alte Sternwarte in Bern hat exakt die Koordianten 600000 200000. Die Koordinaten geben also die Entfernung in Metern vom "Ursprung" an. Durch die rechtwinklige Anordnung der Koordinaten und die gleichen Abstände lassen sich leicht Koordinaten aus Karten ausmessen und in Positionen in Karten eintragen. Um sich dies zu erleichtern kann man sich leicht jeweils für Karten eines Massstabes Schablonen zum Eintragen oder Auslesen von Koordinaten machen. Hier gibt es Beispiele dafür (englisch).
Gauss-Krüger oder German Grid
![]() |
Für größere Gebiete wird die Verzerrung durch die einfache
transversale Mercator-Projektion zu gross. Daher behilft man sich, indem
man nicht das gesamte Gebiet auf einmal projiziert, sondern immer nur
kleinere Bereiche. So basieren die amtlichen deutschen topographischen
Karten darauf, dass zunächst wieder vom Bessel Ellipsoid ausgegangen
wird. Anschliessend werden für die Fläche der Bundesrepublik
über transversale Mercatorprojektionen (siehe Kartenprojektionen)
jeweils etwa 3 ° breite Streifen um die Meridiane 6°, 9°,
12° und 15° projiziert. Die Streifen sind also etwa 200 km
breit. Dadurch, dass mehrere Streifen projiziert werden, wird die Verzerrung,
die mit wachsendem Abstand zum Mittelmeridian der Projektion zunimmt,
minimiert. Auf der Abbildung links ist einer der projizierten Streifen
zu sehen (schwarz), rechts wie die Streifen angeordnet werden. Wie man
sieht, lassen sich die Streifen nicht nahtlos über große Flächen
aneinander fügen. Diese Erfahrung macht man auch, wenn man versucht,
mehrere Karten in der Gauss-Krüger Projektion aneinander zu kleben.
Im Prinzip kann man sich aber mit den Karten wieder fast eine Kugel bauen.
Die Koordinaten selbst sind metrisch, geben also Meter oder Kilometer
an. Dabei hat der Mittelmeridian einen Rechtswert (Ost-West-Richtung)
von 500000 m (dieses vorgehen ist auch bekannt als "false-easting").
Es dient wieder dazu, negative Werte zu vermeiden. Als Hochwert wird der
Abstand in Metern vom Äquator mit 0 m gerechnet. Zur Erklärung
der Koordinaten ein Beispiel: 4 392006 5328980.
Die erste Zahl gibt den Mittelmeridian an, wobei die Zahl mit 3 zu multiplizieren
ist, um den tatsächlichen Längengrad zu erhalten. In diesem
Fall ist das also 12 ° (östliche Länge). Der 12. Längengrad
(östlich) hätte die Gauss-Krüger-Koordinaten 4 500000.
Der oben angegebene Punkt befindet sich mit einem Rechtswert von 392006 m
also 107,994 km westlich (links) vom 12 ° Längengrad. Der
Hochwert gibt an, dass der Punkt sich 5328,980 Kilometer vom Äquator
aus nördlich befindet. Das entspricht bei einem Erdumfang von 40000
Kilometern oder 10000 Kilometern zwischen Äquator und Nordpol also
etwa knapp unter dem 48sten Breitengrad (90 ° / 10 000 km * 5329 km = 47,9 °).
Da in ganz Deutschland die Rechtswerte 6-stellig und die Hochwerte 7-stellig
sind, ist eine Verwechslung ausgeschlossen. Ein Online-Lexikon zum Thema
Geoinformatik und speziell der Gauss-Krüger-Projektion gibt es hier von der Universität Rostock.
UTM-Grid
Das UTM-Grid ist prinzipiell sehr ähnlich aufgebaut, wie das Gauss-Krüger-Grid.
Da es für nahezu die ganze Welt (mit Ausnahme der Polregionen) gedacht
ist, ist es ebenfalls in Zonen unterteilt. Die Zentralmeridiane für
die Projektion haben einen Abstand von 6 °. Dadurch erhält
man 60 Streifen (Zonen) die jeweils von 84 ° Nord bis 80 °
Süd reichen. Die Polregionen werden demnach vom UTM-System nicht
abgedeckt. Wie beim German-Grid wird auf das Zonensystem ein rechtwinkliges
Koordinatensystem gelegt.
Als Ursprung für jede Zone wird wieder der Schnittpunkt des Äquators
mit dem jeweiligen Zentralmeridian gewählt. Für Positionen auf
der Nordhalbkugel ist der Rechtswert des Zentralmeridian (false easting)
500 000, der Hochwert für den Äquator (false northing)
ist 0. Für Positionen der Südhalbkugel besitzt der Äquator
den Hochwert 10000000, die Hochwerte auf der Südhalbkugel reichen
also von etwa 1 000 000 bis 10 000 000, die der Nordhalbkugel
von 0 bis nahezu 10 000 000.
Zusätzlich zu den Koordinaten wird häufig noch die Zone als
Zahlen-Buchstaben-Kombination angegeben. Die 60 Zonen sind in Ost-Westrichtung
so eingeteilt und nummeriert, dass der Nullmeridian (Greenwich) genau
die Grenze zwischen der Zone 30 und 31 ist. Die Zonen von Süd nach
Nord sind 8° hoch und werden mit Buchstaben bezeichnet. Angefangen
wird mit dem Buchstaben C von 80 ° Süd bis 78 °
Süd. Es gibt kein I und kein O um Verwechslungen mit der 1 oder 0
zu vermeiden.
In Nordeuropa gibt es einige Besonderheiten der Zoneneinteilung. So wurde
beispielsweise die Zone 32 V etwas auf Kosten der Zone 31 V
verbreitert, um Norwegen nicht unnötig in zwei Zonen zu zerschneiden. Hier findet sich eine
Weltkarte mit allen eingezeichneten Zonen. Deutschland befindet sich in
den Zonen 31, 32 und 33 (Ost-West) und T und U (Süd-Nord), die
Schweiz bis auf ein sehr kleines Gebiet im Westen (3,5 x 9 km)
in Zone 32 T.
Die Koordianten des UTM Systems geben Positionen auf bis zu 1 Meter
genau an. Ein Beispiel für UTM Koordinaten sieht folgendermassen
aus: 32 U 615338 5327433 (WGS84). Der Punkt liegt also in Zone 32 U,
also irgendwo zischen 6 ° und 12 ° Ost und zwischen
48 ° und 56 ° Nord. Der x-Wert ist mit 615338 Metern
um 115238 Meter größer als der Ursprung dieser Zone
(9 ° Ost), also bei etwas mehr als 10 ° Ost. Den Hochwert
kennen wir so ähnlich schon vom Beispiel für die Gauss-Krüger-Koordinaten.
Tatsächlich handelt es sich um den selben Punkt. Der Hochwert ist
jetzt allerdings um 1547 Meter kleiner. Zunächst scheint dies eigenartig,
wo doch beide Systeme den Äquator als Ursprung für die Hochwerte
haben. Zwei Dinge sind für diese Abweichung verantwortlich. Um Verzerrungen
bei der Projektion minimieren zu können, obwohl 6 ° breite
Streifen verwendet werden, wird bei der Projektion der Erde auf den Zylinder
ein Zylinder verwendet, der kleiner ist, als der Erdradius (Schnittzylinderprojektion).
Dadurch wird der Mittelmeridian verkürzt. Der Verkürzungsfaktor
beträgt 0,9996. Die Entfernung eines Punktes auf dem Mittelmeridain
vom Äquator wird damit kürzer gemessen, als er wirklich ist.
An den Rändern der projizierten Streifen erhöht sich in der
Äquatorregion dieser Faktor auf bis zu 1,0010. Entfernungen in UTM-Koordinaten
sind also nicht exakt auf Entfernungen im Gauss-Krüger-System zu
übertragen.
Ein weiterer Grund für den Unterschied der Koordinaten ist das verwendete
Ellipsoid. Bei Gauss-Krüger wird das Bessel-Ellipsoid verwendet,
bei den oben angegebenen UTM Koordinaten das WGS84 Ellipsoid.
Während das UTM-System eigentlich sehr einfach und zuverlässig
zur Weitergabe von Koordinaten wirkt, birgt es ein grosses Risiko. Ursprünglich
wird für UTM Koordinaten für für Europa das Hayford-Ellipsoid
(International 1950), für Nordamerika das von Clarke 1866, für
Afrika das von Clarke 1880 als Norm verwendet. Der Warschauer Pakt verwendete
das Ellipsoid von Krassowskij. Wo die Grenze zwische Europa und Afrika
bei grenznahen Koordianten liegt, bzw. nach welchem Ellipsoid Koordinaten
auf Landkarten im Zweifelsfall berechnet wurden ist nicht immer leicht
zu erraten.
Gesetztes Ziel ist aber weltweit für alle UTM-Koordinaten das WGS84
Ellipsoid zu verwenden.



